Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38. No. 3. weitaus überwiegende ist.4) Es ist also vollkommen falsch,, in dem genannten Zusammenhange jene Aufsätze zu zitieren. So sehen wir, dass jeglicher Beweis für die mit so grosser Sicherheit aufgestellte Behauptung, das Hebräische sei eine tote Sprache, fehlt. Wird die hebräische Sprache und Schrift, wie es üblich ist, im Gegensatz zur türkischen und chinesischen in der kaufmännischen Buchführung nicht als „ordnungsmässig" anerkannt, so schafft man ein Ausnahmegesetz für die Juden, und zwar auf dem Gebiete des Privatrechts; man übertrifft also die kühnsten Forderungen der Antisemiten. Ein Grund, irgend einer Sprache die Qualifikation für ihre Benutzung in der Buchführung abzusprechen, ist nicht ersichtlich, sagen doch die Kommissionsprotokolle, auf welche man sich mit Vorliebe bezieht, in demselben Atemzuge, mit dem sie die hebräische Sprache tot zu machen glauben, man wolle nicht die „Niederlassungen von Kaufleuten fremder Nationalitäten erschweren/'5) — Es ist eine m. E. nicht zu bestreitende Thatsache, dass das Hebräische heute so wenig wie zur Zeit jener denkwürdigen Kommissionssitzung als tote Sprache aufzufassen ist Es wird nicht nur, wie das Lateinische, in gewissen Gelehrtenkreisen gesprochen, nein, es ist die Volkssprache eines nicht allzu kleinen Teils des jüdischen Volks in Russland, Polen, Galizien, Palästina, Arabien und in den Kaukasusländern. „Wir haben uns gewöhnt, die hebräische Sprache als tot zu betrachten und sie auf eine Stufe mit der griechischen und lateinischen zu stellen . . . Und doch ist diese Sprache eine lebendige und eigentliche Geistes- und Kultursprache von 4 Millionen Menschen/'6) Wenn Schach hier von vier Millionen spricht, so meint er damit nur, dass diese das Hebräische beherrschen.7) Von wieviel Menschen es als wirkliche Umgangssprache gebraucht wird, lässt sich nicht feststellen. Dass es aber eine solche noch heute ist, dass in den genannten Ländern viele Juden im internen Verkehr hebräisch sprechen, ist sicher. Bei Andree8) findet sich die Angabe, dass in Lithauen und Westrussland 20—25 %, in den südwestlichen Provinzen 15—20% und im Süden 5—8% der Juden sich in ihrer Privatkorrespondenz der Rabbinersprache, d. h. der mit einigen aramäischen Bestandteilen vermischten