Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 3 (Juni 1902)
- Date
- 1902-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 3. 35. gegenkommens der arischen Komilitonen auch nicht ein Titelchen aufgeben!" Auf dem Finkentag wurde erklärt, das Judentum habe den Willen, im Deutschtum aufzugehen. — Nun denn: Wille gegen Wille. Und der Wille zum Leben wird mächtiger sein als der Wille zum Untergang. * * * Unser Verhältnis zum Judentum. Wir sind Juden; wir sind es geistig, und wir sind es auch leiblich. Unsere Väter und Vorväter, alle unsere Verwandten sind Juden, in einem jüdischen Hause sind wir aufgewachsen. Wir entstammen einem Volke, das in der Weltgeschichte wirksam geworden ist, wie wenig andere; auf dem jüdischsten aller jüdischen Bücher, auf der Bibel, beruhen die Religionen, in denen mehr als 600 Millionen Menschen leben, Um ihres Judentums willen sind unsere Väter verbrannt worden, um unseres Judentums willen haben auch wir zu leiden. Wenn wir an das Judentum nicht schon deswegen uns festklammern würden, weil es eine der Grundlagen unserer Persönlichkeit ist, würden wir es tun müssen, weil wir seinetwegen angegriffen werden. Unser jüdisches Bewusstsein schöpfen wir nicht nur aus der Bedeutung, die das Judentum für die Gegenwart überhaupt und für uns im besonderen hat, sondern auch aus der jüdischen Geschichte. Diese ist eine einzige grandiose Siegesallee. Die Helden, die sie durchkämpft haben, haben kein Marmormonument erhalten, aber durch ihr Leben und oft mehr noch durch ihr Sterben haben sie sich ein ewiges Denkmal gesetzt. Ihr Beispiel zwingt noch ihre Nachkommen. Wir wollen nicht die herabgekommenen Söhne grosser Väter sein, wir wollen nicht klein sein, wo sie gross waren, wir wollen in unserer Zeit sein, was sie in der ihrigen waren, nicht mit Beschämung, sondern mit Stolz wollen wir zu ihnen aufsehen. Unsere Geschichte giebt uns innere Ruhe- Was Feuer und Schwert tun konnten, um uns zu vernichten, haben sie getan, aber die Scheiterhaufen sind erloschen und Juda besteht weiter. Heute sind die Sitten milder geworden; man wünscht uns nicht mehr einen schmerzlichen Tod, aber ein schmerzhaftes Leben. Wir werden auch in diesem Kampfe siegen. i*