Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8. (W. Ringwald) die erste zionistische Versammlung zustande. Sie war von über 100 Personen besucht und verlief zur Zufriedenheit der Einberufer. Steuer und Prof. Gabel thaten im Laufe der Diskussion dar, dass der Zionismus nicht mit dem ungarischen Patriotismus in Widerspruch stünde. Auch ein jüdischer Studentenverein wurde durch Steuer und Ringwald in's Leben gerufen. Eine von (>0—80 Studenten besuchte Versammlung beschloss die Gründung des Vereins, dessen Ziele und Zwecke Steuer in einem einleitenden Referate folgendermassen formulierte: 1. Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins und Selbstgefühls, 2. Pflege der jüdischen Geschichte und Litteratur, der hebräischen Sprache und des religiösen Lebens Es wurde auch eine Kommission gewählt, urn eine konstituierende Generalversammlung einzuberufen. Der junge Verein, dem wir von Herzen Glück wünschen, hat bereits 50 Mitglieder. (Charakteristisch für die Toleranz mancher Herren, die für sicli die Bezeichnung „liberal" in Anspruch nehmen, ist übrigens ein kleiner Zwischenfall, der hier nicht unerwähnt bleiben darf. Steuer wurde am Tage nach der Versammlung zum Redakteur des liberal-jüdischen Blattes Egyenlöseg bestellt- Dieser eröffnete ihm, falls Steuer nicht in Zukunft in seinem jüdisch-liberalen Sinne arbeiten werde, wTolle er ihn in der gesammten ungarischen Presse verfolgen und ihn als Landesverräter von der Universität verweisen lassen. Wir V. J. St—er stehen als solche der Parteinahme fern. Uns sind Liberale^ Konservative und Ziouisten gleich nahe, wenn sie im Sinne des Judentums- und seiner Erhaltuog kämpfen. Für die gemeine Handlungsweise des Egyenlöseg freundhabeu wir aber nur ein Pfui! Moskau. Der jüdische Gelehrte Ossip Lurje wurde vom Unterrichtsminister aufgefordert, die auch zum Eintritt in die „russische Kultur" als Entreebillet notwendige Taufe vollziehen zu lassen, worauf er eine ordentliche Professur an der Moskauer Universität als Entgelt erhalten würde. Herr Lurje lehnte den Kuhhandel durchaus ab. Moskau. In Russland haben die Juden die Sitte der deutschen Juden, Stiftungen ohne Unterschied der Konfession zu machen, erfolgreich nachgeahmt. Besonders sind die Universitäten von Juden in dieser Form reichlich mit Stipendien bedacht worden. Die Moskauer Universität hat nun entschieden dass das mit der Massgabe Geltung habe, dass jüdische Studenten von dem Genüsse der Stipendien ausgeschlossen seien.