Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3537599-3553284-3553287--0032-3553324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ko. 2. 9. Umschau. (Kleine Nachrichten.) Berlin. Ein Arbeitsausschuss, zu dem u. A. Mathias Acher, Martin Buber, (V. J. St. A. H.) David Farbstein und Alfred Nossig gehören, erlässt einen Aufruf zur Errichtung eines Bureaus für Statistik des jüdischen Volkes. Eine Zentralsammelstelle soll die Herstellung einer einheitlichen Statistik vorbereiten durch 1, Sammlung und Sonderungdes bereits von Regierungen und Behörden innerhalb ihrer allgemeinen Statistik und von andern Korporationen veröffentlichten sowie des noch nicht hrsg. Materials, 2, durch Zusammenstellung desselben in wissenschaftlicher Uebersicht und 3. seine Herausgabe in zwangloser Folge, 4. durch Veranstaltung von Enqueten über soziale und wirtschaftliche Verhältnisse des jüdischen Volkes, endlich 5. durch Bildung eines Foods für das in Aussicht genommene statistische Bureau. Zuschriften sind zu richten an die Adresse: A, J. Kastelian-Kastelianski, Berlin N.W., Klopstockstrasse 24. Berlin. Die Staatsbürgerzeitung machte gelegentlich des Gastspiels der Sängerin Ada Colley lebhafte Reklame für das Herrnfeldtheater. Sie bedauerte deswegen sogar aus diesem Anlass die so strenge Heilighaltung des Charfreitags. Die Staatsbürgerzeitung handelt dabei sehr taktisch; es giebt für die Schwächung des Judentums und für die Stärkung aller judenfeindlichen Bestrebungen kaum etwas wirkungsvolleres als diese systematische Verspottung der Juden vor der Oeffentlichkeit durch Juden. Berlin. E. M. Lilien bereitet im Verein mit Maxim G o r k i ein von ihm illustriertes Sammelwerk der neuhebräischen Litteratur in russischen TJebersetzungen vor. K.B. Gorki ist Russe, nicht Jude. Könitz. In die Synagoge ist nächtlicher "Weile eingebrochen worden. Die Einbrecher haben kaum gestohlen, dagegen in vandalischerweise darin gehaust und sie in ekelerregender Weise verunreinigt. Könitz. Am 12. April war hier das Gerücht verbreitet, dass die Juden in Schlochau ein Dienstmädchen abgeschlachtet hätten. Schon begann mau in Könitz Juden auf der Strasse durch entsprechende Anrufungen zu belästigen, als polizeilich festgestellt wurde, dass das Mädchen von der Herrschaft fortgelaufen und bei den Eltern sei. Am folgenden Sonntag wurde nach dem Kirchgottesdienste ausgekiingelt, dass das Dienstmädchen des jüdischen Pferdehändlers sich wieder eingefunden habe. Würzburg. Das Gesuch des Thierschutzvereins, das Schächten im Würzburger Weichbilde nicht zuzulassen, wurde vom Magistrat abgelehnt. Tn Hof ist dagegen das Schächten verboten. Wien. Der Versuch die Juden zu verdächtigen, den beiden Dienstmädchen Theresia Jedlicka und Auguste Hruska zu rituellen Zwecken Blut abgezapft zu haben, ist so misslungen, dass man jetzt antisemitischerseits zugiebt, dass „von einer Blutabzapfung absolut nicht gesprochen werden kann.