Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2 inbegriffen in die Freiheit der Universitäten. Aber sollte thatsächlich die freie Meinung jüdischen Studenten versagt und nur christlichen Studenten gestattet sein, so halte der Rektor ein Nachsehen mit den Sündern haben sollen in eiaem Lande, wo der Grossherzog selbst ein so warmherziger Freund vom Zionismus ist. Oder sollte der Herr Magnificus vielleicht daran Anstoss genommen haben, dass man einen Verein jüdischer Studenten gründen wollte, und nicht einen zionistischen Studenten verein? Hoffentlich ist die Sache noch nicht zu Ende, und wir können nur wünschen, dass die Gründung eines jüdischen Studentenvereins an der Badischen Hochschule recht bald erfolgt. Wenn sich dann recht viel deutsche Juden beteiligen, mag der Herr Rektor versuchen, ob er ihnen das bieten will, was er sich einer Majorität von Ausländern gegenüber gestatten zu sollen glaubte. Königsberg, Am schwarzen Brett steht folgender Anschlag : Das Maraunsche Stipendium für einen Studierenden der Theologie, der J u d a e u s conversus ist, soll vergeben werden Wenn sich ein solcher unter den jetzt hier studierenden Theologen finden sollte, so ersuche ich denselben, sich so bald als möglich bei mir zu melden. J a e o b y, z. Z. Decan der theol. Facultat. Wien. Vor dem ßerufungssenate des Landgerichts in Strafsachen fand die Verhandlung über die Urteile des Bezirksgerichts Josefstadt statt, in welchem stud. med. Oskar Löwenstamm zu einer 2-L stündigen Arreststrafe, stud phil. Gustav Wesp zu einer Geldstrafe von 20 Kronen verurteilt worden waren. Dieser Studentenaffaire lag bekanntlich folgender Sachverhalt zu Grunde : Der Deutschnationale Wesp hatte eine an Löwenstamm ergangene Herausforderung zurückgezogen, als er erfuhr, dass der Geforderte Jude sei. Die Zurückziehung der Forderung wurde vom Deutschnationalen damit begründet, dass der Waidhofener Verband „wehrhafter Studentenu den Juden Satisfaktionsfähigkeit abspricht. In diesem Verhalten erblickte Löwenstamm eine schwere Beleidigung seiner Person und antwortete mit einer Ohrfeige. Nach durchgeführter Verhandlung, in welcher für Löwenstamm Herr Dr. Jacob Kohn und für Wesp Herr Dr. Hantschel als Verteidiger intervenirten, wurde die 24 stündige Arreststrafe für Löwenstamm in eine Geldstrafe in der Höhe von 10 Kronen umgewandelt, nachdem der Angeklagte erklärt hatte, die Frage des Erstrichters nach seiner Vermögenslage missverstanden, die Frage betreffend die Vermögensverhältnisse seiner Eltern überhört zu haben, dagegen wurde die Verhandlung gegen Wesp vertagt, und zwar zur Anhöruug* von Zeugen, welche über die Form, in welcher die Herausforderung zurückgezogen wurde, aussagen sollen Dieser Vertaguugsbeschluss war das Resultat einer dreiviertelstündigen Beratung, in welcher — wie verlautet — der Referent, nachdem er bereits bei seinem Vortrag die auf einen Freispruch des Deutschnationalen Bezug habenden Stellen besonders betont hatte, seinen Standpunkt gegen das Votum der anderen Räte mit Feuereifer vertheidigte. Dieser Referent, welcher in der Erklärung, der Jude sei nicht satisfaktionsfähig, keine Beleidigung erblickt, ist ... . von Geburt .... Jude! In Budapest brachte kürzlich ein Mitglied des V. J. St. Berlin, stud. jur. Steuer in Gemeinschaft mit einem andern Studenten aus Ungarn