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Der jüdische Student · 1902-05-01 · Heft 2 (Mai 1902) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
1 (1902-1903)
Issue
Heft 2 (Mai 1902)
Date
1902-05-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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No. ± Von Hochschulen und Universitäten. Berlin. Nach einer Meldung des Isr, Fam.-Bl. in Hamburg, dem wir die Verantwortung für diese Nachricht überlassen, ist die zionistische, nationaljüdische Verbindung an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums Agudah l1 u m i tIi von dem Rektor der Anstalt, Rabb. Dr. Maybaum und dem Kuratorium derselben verboten worden. — Die Mittheilung des Familienblattes hat den Zweck, für den Verein „Achawah" Propaganda zu machen, der es sich zum Verdienste rechnet, jüdisch-politische Fragen nicht auf sein Programm geschrieben zu haben. Wir werden im Laufe des Sommersemesters Gelegenheit haben, uns mit dem weiteren Verlaufe dieser Angelegenheit eingehend zu beschäftigen. Id Karlsruhe sollte im vergangenen Semester ein Verein jüdischer Studenten an der dortigen Badischen technischen Hochschule gegründet werden, nachdem bereits im Sommersemester 1901 ein Versuch dazu gemacht worden war. Ueber den erneuten Versuch, der ein sonderbares Schicksal hatte, lesen wir in No. 15 der „Welt": „Unser Bestreben ging dahin, durch Gründung einer jüdischen Lesehalle und durch Referate über jüdische Geschichte und Litteratur Belehrung über das Judentum zu bieten. In diesem Sinne wurden auch die Statuten entworfen. Leider fand sich in dieser Versammlung ein sich orthodox nennender „Germane jüdischen Glaubens", der eilig zum Rektor lief und ihm den zu gründenden Verein als eine „Sammelstätte jüdischer Ausländer" denunzierte. Das genügte dem Rektor, um den Statuten die Genehmigung zu versagen. Interessant ist die merkwürdige Motivierung dieses Ukases. Der Rektor behauptete, er dulde keine konfessionellen Verbindungen. Dabei existieren an der Hochschule zwei katholische und zwei evangelische Verbindungen. Damit war die Sache noch nicht zu Ende. Ein jüdischer Schriftsteller, den wir in die Versammlung zu Gaste geladen hatten, schrieb in einem in Karlsruhe erscheinenden Blatte einen kleinen Artikel, in welchem er die Ansicht des Rektors kritisierte. Dieser Artikel wurde dem Rektor durch den Denunzianten zugetragen, und es begann ein hochnotpeinliches Verfahren. Sämmtliche Studenten, die an der Versammlung teilgenommen hatten, wurden soweit sie Ausländer waren — mit dem consilium abeundi bedacht. Als die Herren an den Senat appellierten, wurde nach langem Bemühen die Strafe für einige in einen strengen, für die übrigen in einen milden Verweis verwandelt; einer, der es wagte dem Rector entgegenzuhalten, dass die Strafe gänzlich unbegründet sei und dass man „In- und Ausländer mit zweierlei Maass messe", wurde relegiert." Dass der Rektor gerade diesem Studenten eine so harte Strafe zukommen liess, geschah offenbar in Würdigung des slavischen Sprüchwortes. Za prawda biut („Für die Wahrheit giebt's Schläge.") Dass sonst ein christlicher Rektor mehr von der jüdischen Studentenbewegung wissen kann, als ihm von jüdischen Denunzianten zugetragen wird, ist billigerweise nicht zu erwarten. Aber man soll auch wissen, dass unter demselben Rektor dieselbe Hochschule ein begeistertes Zustimmungsschreiben an Mommsen richtete, als er für die Freiheit der deutschen Universitäten eine Lanze brach. Das ist noch kein halbes Jahr her; aber die Freiheit der jüdischen Studenten ist wohl nicht

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