Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 1 (1902-1903)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1902)
- Date
- 1902-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4. Sfo. 2. haften Kontoversen in unseren Vereinen führen. Und wenn das der Fall ist, und wenn uns von vielen verschiedenen Seiten in unserem Blatte Einwürfe gemacht werden, so ist der Zweck, den der Autor verfolgt, thatsächlich erreicht. Wir werden mit den grundlegenden Fragen beginnen und allmählich von dem Allgemeinen zu den Einzelfragen übergehen. Die Form ist so gewählt, dass jedes Artikelchen in sich abgeschlossen sein wird, aber doch die ganze Reihe in engem und unlöslichem Zusammenhange stehen soll. Dem systematischen Teile werden geschichtliche, litterar-historische, statistische und andere Beilagen folgen, die das Material geben, auf Grund dessen wir uns unsere Meinung von der Judenfrage gebildet haben* Wir wollen niemandem unsere Meinung aufdrängen und sind über jede sachliche Erwiderung und über jede ernste Einwendung nur erfreut. 1. Qiebt es eine Judenfrage? Dass es eine Judenfrage giebt, ist von den Antisemiten ebenso oft behauptet worden, als es von jüdischer Seite und von den Gegnern des Antisemitismus'bestritten wurde. Freilich verstanden die Juden und ihre Feinde im Allgemeinen etwas Verschiedenes unter Judenfrage, so dass sogar gesagt werden konnte, dass es überhaupt keine Judenfrage, sondern nur eine Antisemitenfrage gäbe. Aber mit einem Witzwort lässt sich kein politisches oder soziales Problem lösen. Und das Problem bleibt ungelöst, ob man es nun nach den Juden oder nach ihren Gegnern benennt. Jedenfalls wurde nach den Juden „gefragt", und auf diese Frage müssen die Juden eine Antwort geben. Wenn also die Judenfrage auch nur darin bestünde, dass gewisse Gegner aus leicht zu verstehenden Gründen die ganze Litanei der Judenfrage angestimmt haben, um f ü r sich und gegen die Juden daraus Kapital zu schlagen, so kann jedenfalls die Existenz der Judenfragenicht in Abrede gestellt werden; und man thut gut daran, ihr nicht aus dem Wege zu gehen, sondern ihr Wesen zu ergründen, und wenn es möglich ist, das Problem zu lösen. Wir wollen also im Interesse der Wahrheit von vornherein nichts ablehnen als falsch, weil es uns unange-