Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der HerzkKurs. Von G e r h a r d Liebes--Hasmonaea-Berlin. Das Erziehungsressort des Präsidiums hat den Verbindungen vorgeschlagen, in diesem Sommer einen Herzl-Kurs abzuhalten und hat ihnen gleichzeitig ein Programm für einen solchen Kurs übersandt, aus dein ersichtlich ist, was es sich darunter vorstellt. Es bleibt kurz zu begründen, wäre: i wir grade dieses Thema im kommenden Semester gern in den Vordergrund gestellt sehen würden. Bisher waren die Fuxenkurse meist entweder Tendenz-Kurse, in denen die Geschichte des Zionismus und seiner Ideen in ihrer zeitlichen Folge gezeigt wurden, oder es wurden ohne inneren Plan Abende über die verschiedensten Gebiete der jüdischen Gegenwart und Vergangenheit abgehalten, in denm die Problematik der jüdischen Situation geklärt und Palästina als Lösung gelehrt werden sollte. Beide indes haben vielleicht ihre Berechtigung, doch st ihr großer Mangel immer der, daß sie eine eigentliche Mitte entbehren, dk die Teile zu einem Ganzen macht und ihnen ihr Gewicht gibt. Auch verliereasie sich leicht im Abstrakt-Problematischen, und verfehlen es, die inenscK3rche Erfüllung des Weges zu zeigen, den sie als den richtigen aufweisen weilen. Doch kommt es wohl gerade darauf an. Die Richtigkeit der Idee entscheidet sich ja letzten Endes danach, wer ihre Träger sind und wie sie sind. So ist es unsere Aufgabe, den Zionismus da zu zeigen, wo er seine schönste -und reiiste Gestalt gefunden hat: In Herzls Leben und Werk. Die Not des Volkes wird am deutlichsten in seinem größten Menschen,, der diese Not tiefer und klarer erlebt und der sie in sich überwindet. Und srst von ihm aus gewinnen alle Erscheinungen des Lebens und der Geschichte ihre wirkliche Bedeutung. Demgemäß ist es das Ziel des von uns vorgcsch! agencn Kurses, die Geschichte und die Probleme des Zionismus im Lichte der Gestalt Herzls neu zu sehen, und durch diese Betrachtung sogleich das unsere dazzi zu tun, daß das Bild des leidenden und siegenden Führers in der Bewegung wach und fruchtbar bleibt. Denn wenn auch das, was wir in Palästina erstreben, im einzelnen noch so sehr von den Herzischen Vorstellungen abweichen msg; Er, der den Zionismus durch Werk und Wort begründet hat, muß weil.:- lebendig sein als der einzige Führer zur Freiheit, der uns auch in dieser Sttusie bleibt als der erste „Diener am Licht", der auch uns zu diesem Amt zu erziehen vermag. Herzl - Kurs, 1. Herkunft. Herzl als europäischer Schriftsteller. Erste Gedan^n zur Judenfrage. Judenstaat. 2. Dreyfuß-Prozeß. Situation des emanzipierten Judentums (kurzer Rückblick auf die Geschichte der Emanzipation.) Die Analyse der Judennoi im „Judenstaat" (Vergleich mit den früheren Deutungen von Hess und Pinsksr). 3. Der konstruktive Teil des „Judenstaates". Seine Stellung in der Geschichte der Staatsutopien. Seine politischen Elemente (Stellung zur Demolratie usw.). - Die politischen Prognosen. Die Lösung der seelischen Bedürfnisse des Volks. 67