Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 2 (Mai 1933)
- Date
- 1933-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Kapital, deren landwirtschaftliche Ansiedlung angestrebt wird. Für beide Projekte gibt es bereits jetzt eine Reihe von Interessenten und es ist anzunehmen, daß nach der in diesen Tagen erfolgten Versendung der Projekte an alle Karteliorganisationen sich weitere Interessenten melden werden. Genauere Informationen sind im Präsidium erhältlich. Die Bearbeitung erfolgt in enger Fühlungnahme mit der Z.V.f.D. und sachverständigen Bundesbrüdern in Palästina. Ein großer Teil von K.J.V.ern ist im Laufe dieser Wochen bereits nach Palästina übergesiedelt Eine v/eitere beträchtliche Anzahl hat Zerlifikatsanträge an das Palästina-Amt eingereicht. Wir haben mit der Palästina-Amts- Kommission vereinbart, daß die Zertifikatsanträge des Kartells in einer gemeinsamen Sitzung mit Vertretern des Präsidiums besprochen werden. Wir haben auch durch die in Palästina befindlichen Mitglieder des Präsidiums die dort bestehenden Hachscharahmöglichkeiten prüfen lassen und werden darüber dem Kartell nach Rückkehr dieser Bundesbrüder berichten können. Grundsätzlich ist freilich davon auszugehen, daß Hachscharah erforderlich ist, und daß sie nach Möglichkeit außerhalb Palästinas durchgeführt werden soll, Doch ist unzweifelhaft in der gegenwärtigen Lage häufig genug Grund und Notwendigkeit vorhanden, von diesem Prinzip abzugehen und Hachscharah in Palästina durchzuführen. Bericht Dr. Ernst Marcus. Ich habe es übernommen, den gesamten Fragenkreis zu bearbeiten, -der die Auswanderung von Bundesbrüdern in alle Länder außerhalb Palästinas sowie die Möglichkeiten finanzieller Unterstützung für jede Art von Wanderung zum Gegenstand hat. Es ist sämtlichen Kartellorganisatioen vor kurzem durch Rundschreiben mitgeteilt worden, welche Möglichkeiten des Studiums an ausländischen Universitäten bestehen. Das übersandte Material wird von uns weiterhin ständig ergänzt werden. Bundesbrüder, die beabsichtigen auszuwandern resp. an einer bestimmten Universität zu studieren, können öich jederzeit an mich wenden. Auf jeden Fall kann allen Bundesbrüdern der Rat erteilt werden, sich mit mir in Verbindung zu setzen ehe sie sich an Hilfsorganisationen oder Konsulate wenden. Wir haben diese sehr schwere und umfangreiche Arbeit auf uns genommen, weil wir uns für diejenigen Bundesbrüder, die ihre wirtschaftliche Existenz verloren haben, oder die aus einer inneren Notwendigkeit ihr Studium fortsetzen wollen, verantwortlich fühlen. Wir erwarten aber auch von den Bundesbrüdern, daß sie ihrerseits verstehen, welches Ergebnis der Kartellerziehung sich im gegenwärtigen Augenblick deutlich zeigen muß, wenn nicht unsere ganze Arbeit in einem hohen Grade vergeblich gewesen sein soll: Im Mittelpunkt des Denkens und Fühlens unserer Bundesbrüder muß heute ganz anders, als es in den übrigen jüdischen Lagern der Fall ist, das Schicksal des jüdischen Volkes stehen. Unser Weg führt nach Palästina und alle anderen Wege sind Umwege und Notwege. Das Kartell ist dazu berufen, beispielgebend auf den deutschen Zionismus und beispielgebend auf die übrige jüdische Akademikerschaft zu wirken. Es kann eine wichtige Funktion erfüllen, wenn es 6ich dieser seiner Aufgabe bewußt bleibt. Dies sind die Gesichtspunkte, unter denen ich meine Arbeit durchführen will Ernst Marcus. 66