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Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 51)
Language
German
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2) Für die höhere Rangstufe der Werte unserer nationalen, historischen Kultur habe ich gerade unter kulturpolitischen Aspekten gewollt kein Verständnis! Ich glaube an zukünftiges, neuzeitliches, erneuertes Judentum und sehe in der traditionellautoritären Form des historischen Judentums (über dessen »Werte für uns ich mir sonst im positiven Sinne sehr klar bin) eine lebensfeindliche und kulturell schädliche Macht. — Keineswegs will ich heute und hier einen Kulturkampf; was ich will, ist Toleranz! Darauf hat der „Freidenker" schließlich denselben Anspruch wie der Orthodoxe, er kann ebenso viel Takt und zarte Rücksicht verlangen, und es ist keineswegs ausgemacht, daß er der weniger religiös empfindende und empfindliche Mensch ist. — (NB. Zwischen Handeln und Unterlassen besteht da gar kein Unterschied! Ich verlange von niemandem, daß er am Sabbath raucht oder schreibt — und auf Kaschruth bin ich sogar bereit, im Falle gemeinsamer Küche Rücksicht zu nehmen, weil ich niemanden vergewaltigen will — aber für mich verlange ich die gleiche Freiheit!) 3) Was mich an der Sache am meisten geärgert hat, ist der erbärmliche aus Feigheit und Gedankenträheit zusammengesetzte Konventionalismus, mit der diese Dinge bei uns behandelt werden. Von den auf der Aktiventagung anwesenden Bundesbrüdern dachte zweifellos der weitaus größte Teil in der Sache so wie ich — aber keiner stand auf und protestierte (nur hinterher kamen ein paar zu mir). Nur den kleinsten Teil solcher „Disziplin" wünsche ich ihnen und uns für die zionistische und Erziehungsarbeit. * Diese Zeilen sollen keine Erwiderung oder Widerlegung des Artikels von Bbr. Schnurmacher sein, sondern eine prinzipielle Bemerkung zu diesem „Problem". Wer subjektiv glaubt, das Judentum umfasse alle national - religiösen Bräuche, kann von dem, der weniger umfassend das tägliche Leben jüdisch auffaßt, Verständnis und Entgegenkommen fordern. Der Orthodoxe ist tolerant, wenn er vom anderen nur Rücksicht, nicht gleichen Lebenswandel fordert, und kommt ihm damit entgegen. Ueber* tretung national-jüdischer Gebräuche in einem national-jüdischen Kreise wirkt abstoßend und verletzend. Wer ernsthaft das Judentum, auch in Bezug auf Religion, unter Opfern lebt, muß von den weniger Opferbereiten, in dieser Ansicht Verständnis fordern. Hier stehen Juden, die von den Geboten unserer nationalen Religion nicht weichen können, dort Menschen, denen die Heiligkeitsauffassung fehlt, die also zur Verständigung entgegenkommend sein können. Die jüdische Religion ist für alle als ein Abglanz eines Gebietes nationaljüdischer Kultur zu achten» daher darf die Ausübung nicht verhindert werden, besonders da eine Grenze zwischen primär nationalen Gebräuchen (Pessach, Chanuka, Sabbath) und primär religiösen Gebräuchen (Schreib-, Fahrverbot, Sabbath, Reinigungsvorschriften etc. sind auch nationale Eigenheiten unseres Volkes) nicht gezogen werden kann und mit der rationalistischen Aufklärung der Religionsbekämpfer nicht-nationaler Religionen nichts zu tun hat. Schnurmachers Ausführungen können unjüdisch denkende, assimilationsbewußte, antinationale und antireligiöse 40

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