Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 50)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3537599-3537840-3537841--8619-3546683
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

er Initiative und Geld, die er mitbringt, und Landeserfahrung, die wiederum Zeit und Geld kostet. Er soll nach Möglichkeit weder verlobt noch verheiratet sein, muß Hebräisch (nicht die Literatursondern die Tagessprache) einigermaßen beherrschen, außerdem ist Englisch fast unerläßlich» Für solche, die diesen Anforderungen genügen, könnte ich etwa ein halbes Dutzend Anregungen übermitteln. Ihr seht also, daß ich die Chancen für Chemiker-Kapitalisten durchaus optimistisch einschätze. Für Chemiker - Proletarier aus Deutschland sind die Chancen schlecht im Hinblick besonders auch auf die Konkurrenz der aus dem Ausland vom Studium kommender Palästinenser und Ostjuden, von denen die ersteren über ganz andere Beziehungen verfügen und die zweiten unendlich viel bedürfnisloser und anpassungsfähiger sind. Für diese können die 6 £ monatliches Laboräntengehalt ein Ziel sein, für unsere Leute wohl kaum. Oder irre ich mich? Ich bin gerne bereit, in jedem einzelnen konkreten Fall genau Nachforschungen anzustellen und dem Betreffenden direkt oder durch Euch Bescheid zu geben. Aber die Unterlagen müßten peinlichst genau und möglichst ausführlich auch in den persönlichen Dingen sein. Photographie wäre erwünscht. Es sollte mich freuen, wenn auf diesem Wege doch der eine oder andere Bundesbruder und Fachkollege hier Fuß fassen könnte. Mit bundesbrüderlichem Gruß Dr, Bernard A r i n s t e i n. Ueber junge Greise, Toleranz und Zivilkurage Auch ein Nachwort zur Aktiventagung. Von Paul Schnurmacher-Maccabaea, Berlin. Man braucht nicht alles gleich tragisch zu nehmen — aber ich dachte» wir seien ein Erziehungsbund. — Die Aktiventagung dauerte von Freitag abend bis Sonnabend nachmittag. Sie fand in den Räumen des KJV in der Bleibtreustraße statt. Das genügte den leitenden Präsidiumsmitgliedern, um zu Beginn der Tagung ein Rauch- und Schreibverbot auszusprechen, das auch im allgemeinen gehalten wurde, mich jedoch veranlaßte, auf der Sonnabend- Vormittag-Sitzung mir demonstrativ ein Zigarillo anzustecken zu dem „ausgesprochenen" Zweck, mich vom Vorsitzenden hinauswerfen zu lassen» Was dieser zu tun nicht verfehlte» Ich habe so gehandelt und halte das Verbot des Präsidiums (?) nicht für statthaft aus folgenden Gründen: 1) Ich bin ein entschiedener Verfechter von Gemeinschaftsgeist, -stil, Disziplin, glaube andererseits in meinem unverbesserlichen rudimentären Liberalismus, daß es Dinge absolut individueller Sphäre gibt, die traditionellem oder sonstwie autoritärem Kollektivismus keinesfalls unterworfen sein dürfen — dazu gehört z. B. die Religion. Man braucht diesen Standpunkt nicht zu teilen, wird ihn aber ebenso ernst nehmen müssen wie irgend ein anderes Dogma. Mir selbst ist es jedenfalls eher möglich, das Odium eines Ruhestörers auf mich zu nehmen als hier im Grundsatz Konzessionen zu machen, Der abgeklärten Reife unserer Jüngeren stehe ich neidvoll, aber ohnmächtig gegenüber. 48

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.