Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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junktur für diese Regelung staatlichen Zusammenlebens an dieser seiner Stellungnahme festgehalten. (Vgl. das Referat von Blumenfeld auf dem 15. Delegiertentag im Dezember 1918, in dem die nationale Autonomie ausdrücklich abgelehnt wurde.) Ueberprüft man die heutige Situation und die Chancen einer derartigen Forderung, so wird man auch heute nicht zu anderen Ergebnissen gelangen können. Es kann sich in diesem Zusammenhang nicht um eine wissenschaftliche Betrachtung handeln, d. h. um eine Prüfung, ob die objektiven Voraussetzungen für eine nationale Autonomie, über die es ja heute bereits eine ausgedehnte Literatur gibt, gegeben sind. Die Frage ist vielmehr so zu stellen, ob es für die deutschen Juden und für uns als ihre Wortführer im Augenblick zweckmäßig erscheint, diese Forderung zu erheben. Zunächst einmal kann nicht übersehen werden, daß, soweit überhaupt heute Entwicklungslinien des staatlichen Lebens erkennbar sind, die Entwicklung (deutlich *gegen die .Duldung von Minderheiten verläuft. 1 Der Staatsbegriff hat die Tendenz, wieder ein sehr viel umfassenderer zu werden. Weite Kreise und gerade diejenigen, die offenbar das politische Geschick Deutschlands für die nächsten Jahre bestimmen werden, gehen von einem überindividualistischen Staatsbegriff aus, der weder für einen Einzelnen geschweige denn für ein Kollektivum autonome, staatsfreie Bezirke kennt. Es muß sehr zweifelhaft erscheinen, ob es bei dieser dem Minderheitsgedanken ungünstig gegenüberstehenden öffentlichen Meinung zweckmäßig ist, eine Forderung zu vertreten, die sich schon bei viel günstigeren Konstellationen (man denke nur an die östlichen Randstaaten) nicht auf die Dauer hat durchsetzen können. Dazu kommt eine weitere entscheidende Ueberlegung. Diese Forderung kann nicht als propagandistische erhoben werden. Zweck hätte sie nur als politische Maßnahme zur Abgrenzung und gleichzeitigen Festigung unserer Position. Man wird aber selbst bei optimistischer Einschätzung nicht darüber hinwegkommen können, daß es für uns bei der augenblicklichen Stimmung im deutschen Judentum nicht möglich sein wird, eine politisch relevante Zahl von Anhängern für diese Parole zu gewinnen. Sie aber nur als propagandistische Forderung aufzustellen, die dann zum innerjüdischen Streitgegenstand werden würde, verbietet der Ernst der Situation. Bundesbruder Berliner teilt uns mit, daß er durch Beziehungen ärztliche Einrichtungen (Rekordspritzen, Mikroskope und dergl. direkt aus der Fabrik ungefähr 30 % billiger als in normalen Verkaufsgeschäften für Bundesbrüder besorgen kann. Wir möchten den Bundesbrüdern empfehlen, von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. Das Präsidium. 44