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Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 45)
Language
German
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jenige Teil der Krojanker'schen Arbeit, der sich mit einer Analyse des jüdischen Liberalismus und seiner heutigen aussichtslosen Position beschäftigt, überaus gelungen ist. Es muß aber mit demselben Nachdruck bemerkt werden, daß die Stellungnahme Krojankers zu der politischen Entwicklung im heutigen Deutschland völlig unakzeptabel erscheint. Krojanker geht so weit, im Nationalsozialismus eine uns in den geistigen Grundlagen verwandte Bewegung zu sehen. Käme man selbst bei einer wissenschaftlichen Analyse zu einem solchen Ergebnis, so muß es in hohem Maße unpolitisch erscheinen, diese Meinung in einem Augenblick zu vertreten, wo diese in ihren Grundlagen völlig verkannte, zu Unrecht idealisierte Bewegung sich zum schärfsten Gegner der deutschen Juden deklariert. Den Kampf durch geistige Auseinandersetzung zu führen, ist mit diesem Gegner ohne jede Aussicht auf Erfolg. Sein Charakteristikum ist vielmehr darin zu erblicken, daß mit dieser Bewegung eine Diskussion, d. h. ein ehrliches Sichbemühen um Klärung der gegenseitigen Standpunkte überhaupt nicht möglich erscheint. Der Zionismus entstand als Freiheitsbewegung eines unterdrückten Volkes, seine größte und historisch bedeutsamste Leistung ist vielleicht darin zu sehen, daß es ihm ohne reale Machtmittel durch geistige Kräfte gelungen ist, sich eine weltpolitisch beachtete und anerkannte Position zu schaffen. Unser Kampf wurde immer verbunden mit der fortschrittlichen Hälfte der Welt geführt, nur hier allein fanden wir echte Freunde und Kampfgenossen. Zionismus und Nationalsozialismus können schon ihrem innersten Wesen nach nicht verwandt sein, weil das eine eine rückwärts gewandte, die Freiheit des Einzelnen nicht achtende, geistige Kräfte bewußt vernachlässigende Bewegung ist, während umgekehrt der Zionismus seiner Entstehung und seinem innersten Wesen nach nur leben kann, wenn er sich bewußt zu dem Teil der Menschheit immer wieder bekennt, mit dem Gruppen wie die nationalsozialistische in dauerndem Kampfe stehen. Die jüdische Freiheitsbewegung ist ihrem Wesen nach ein Feind jedes militanten Nationalismus. Sie wird und kann sich nur behaupten, wenn sie in jedem Stadium auch der aktuellen Politik sich mit Nachdruck und Leidenschaft zu diesem ihrem Grundsatze bekennt. Dies mit Eindeutigkeit auszusprechen, ist Pflicht der zionistischen Bewegung in Deutschland gerade im heutigen Moment. Vielleicht ist Krojankers Untersuchung ein interessanter, wenn auch unpolitischer Diskussionsbeitrag. Als einzige, jedenfalls größere literarische Aeußerung des deutschen Zionismus könnte er leicht zu uns unerwünschten Mißdeutungen Anlaß geben. Versucht man, eine mögliche jüdische Politik in Deutschland inhaltlich zu bestimmen, so ergibt sich zunächst die sehr große Schwierigkeit, eine eindeutige, die Menge der deutschen Juden überzeugende Parole zu finden. Es gibt allerdings eine Vorstellung, die den Vorzug begrifflicher Klarheit für sich hat, Das ist die in größeren Abständen immer wieder zur Diskussion gestellte Forderung nach nationaler Autonomie für die Juden in Deutschland* eine Forderung, zu der sich z. B. Nachum Goldmann gerade in letzter Zeit mit Rücksicht auf die neueste Entwicklung bekannte. Der deutsche Zionismus hat diese Forderung nach nationaler Autonomie immer wieder abgelehnt. Er hat selbst in einer Zeit geistiger Hochkon- 43

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