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Der jüdische Student · 1933-02-01 · Heft 1 (Februar 1933) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
30 (1933)
Issue
Heft 1 (Februar 1933)
Date
1933-02-01
Page
[Seite] (sequence 44)
Language
German
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darauf, daß er immer den Mut hatte, gegenüber allen politischen Wandlungen eine klare Haltung einzunehmen und versuchte, der jeweiligen geistigen Situation mit eindeutigen Fragestellungen Herr zu werden« Der deutsche Zionismus war seit etwa 1918 in seiner überwiegenden Mehrheit ein palästinozentrischer Zionismus. Die Galuth-Theorie von Klatskin, der von der völligen Aussichtslosigkeit jedes Galuthlebens ausging, wurde zwar im allgemeinen abgelehnt. Es ist aber nicht zu verkennen, daß die Galuth-Arbeit, vielleicht sogar weniger aus ideologischen als aus empirischen Gründen — Mangel an geeigneten Kräften für alle Arbeitsgebiete — stark in den Hintergrund trat. Der deutsche Zionismus propagierte die unmittelbare Aktion für das Land. Vielleicht unbewußt, vielleicht bewußt schuf er sich für die Galuth- Arbeit Hilfsorganisationen. Man denke nur an die Jüdische Volkspartei, die ihn von diesem nicht im Mittelpunkt der Bewegung stehenden Teil der Arbeit entlastete. Die Mehrheit des deutschen Zionismus billigte mit Recht jahrelang diese Grundeinstellung. Politik ist aber etwas Bewegliches, ein Feind jeder dogmatischen Erstarrung. Leicht können politische, wirtschaftliche Umänderungen oder geistige Neuorientierungen dazu führen, daß politische Grundanschauungen einer Modifikation unterworfen werden müssen. Für die zionistische Bewegung in Deutschland besteht in dieser Notzeit, in der politische Entwicklung, wirtschaftlicher Zusammenbruch und geistige Krise das Gesicht der deutschen Judenheit weitgehend verändert haben, die Notwendigkeit, eine Umorientierung vorzunehmen. Unser Ziel war immer, die Führung der Juden zu übernehmen. Wenn eine spätere Kritik zu der Feststellung kommen könnte, daß in einer Zeit, in der die deutschen Juden stärker bedroht waren denn je, unsere Bewegung sich nicht bewährt hat, werden wir derartigen Argumenten gegenüber einen schweren Stand haben. Aber noch weitergehend: die Notwendigkeit einer Umorientierung ist aus Grundanschauungen unserer Bewegung abzuleiten. Die einzige legitime Freiheitsbewegung des jüdischen Volkes kann es unmöglich hinnehmen, daß man heute dazu übergeht, zum Teil unwidersprochen, die persönliche Würde und Freiheit des einzelnen Juden in stärkster Weise einzuschränken. Selbstverständlich gibt es, wenn wir uns dazu entschließen, mit größerer Anteilnahme als bisher jüdische Politik in Deutschland zu treiben, Gefahrenmomente genug. Es erscheint überflüssig, sich mit der Politik mehr oder minder gelungener Einzelaktionen, der jede einheitliche Linie fehlt, auseinanderzusetzen. Es ist die Politik, die in der Hauptsache durch den Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens repräsentiert wird, die wir schon seit Jahren, wenn auch, wie es scheint, nicht mit hinreichendem Erfolg kritisiert haben. Eine andere Gefahr, die in unserem Kreis eine größere Rolle spielt, besteht in einer zu ideologischen Orientierung unserer Politik, in einem sich völligen Loslösen von den realen Gegebenheiten, auf deren Ebene sich Politik nun einmal abspielt. In diesem Zusammenhang erscheint ein kritisches Wort gegenüber Gedankengängen notwendig, wie sie insbesondere in der Krojanker'schen Broschüre vertreten sind. Es soll ausdrücklich anerkannt werden, daß der- 42

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