Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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inals jemand vergeblich und ergebnislos zu zionistischer Leistung, zur tätigen Verknüpfung mit dem Aufbauwerke in Palästina aufgerufen hat. Ob Max Hecker an uns appellierte, ihm beim Aufbau des Technikums in Haifa zu helfen, ob Arthur Biram zu uns kam und unsere Hilfe für die Entwicklung seiner Realschule forderte oder Wilhelm Brünn unser Interesse und unsere Beteiligung an seiner Pflanzungsgesellschaft verlangte — keiner von ihnen hat vergeblich zu uns gesprochen, gar nicht zu reden davon, daß wir es immer als unsere ernste Aufgabe angesehen haben, unsere Bundesbrüder zur Pflichterfüllung gegenüber Keren Hajessod und Keren Kajemeth anzuhalten und ihre Leistung für diese nationalen Fonds anzuregen und zu überwachen. Wir haben damit nur das getan, was primitive Pflicht jedes KJV ers ist; mehr aber war das nicht. Es war nicht jene starke, auf die Umwandlung der Stoßkraft der ganzen zionistischen Bewegung in Deutschland gerichtete Aktivität, die wir in unserem Gründungsprogramm von uns selbst gefordert hatten. Das heute zu bekennen, ist ein Gebot der Ehrlichkeit gegen uns selbst an diesem Tage der Erinnerung, der doch für uns ein Tag der Rechenschaft sein soll, ob wir unser Wollen des Anfangs bewahrt und bewährt haben. Ich habe diese Rechenschaft über 10 Jahre Leben und Arbeit im Rosenkranzbund mit all der Offenheit und Ehrlichkeit abgelegt, die Männer, die sich Bundesbrüder nennen, einander und den anderen schuldig sind, und erst und gerade diese Ehrlichkeit gibt uns das Recht, nun auch von dem zu sprechen, was die große Leistung unseres Bundes in den 10 Jahren seines Bestehens ist und worin er die Forderung seines Anfangs schlechthin restlos bewahrt und bewährt hat. Ich sage es in aller Bescheidenheit und doch mit dem ganzen Stolze eines Bekenntnisses: der Rosenkranzbund ist in den 10 Jahren seiner Existenz eine Pflegestätte engster und tiefster Bundesbrüderschaft gewesen, der vielleicht keine Gruppe des KJV. etwas Gleichartiges an die Seite zu setzen vermag. Ist das nun aber etwas so Bedeutungsvolles, daß man davon als von einer großen Leistung, — von einer großen zionistischen Leistung sprechen kann? Ich weiß nicht, ob alle KJV er in dieser Frage ebenso empfinden und denken wie ich und mit mir wohl die meisten, wenn nicht alle Bundesbrüder des Rosenkranzbundes. Ich für meine Person kann es nicht stark genug unterstreichen, daß ich in der Bundesbrüderschaft das Wertvollste, Stärkste, das Eigentliche des KJVertums sehe. Zionistische Gesinnungstüchtigkeit, Pflichttreue und Aktivität, ja selbst jüdische Bewußtseinsstärke kann es im gleichen, ja vielleicht in höherem Grade auch bei Menschen außerhalb des KJV. geben; das aber, was wir Bundesbrüderschaft nennen, jene Verbundenheit von Männern, die zur höchsten Verantwortung und Leistung verpflichtet, ist nur unter uns vorhanden. Was ist Bundesbrüderschaft? Ich stelle diese Frage über die im KJV. schon so oft nachgedacht, gesprochen und geschrieben worden ist, an diesem Tage der Erinnerung erneut. Da sagen die einen — und ihre Begriffsbestimmung weist der Bundesbrüderschaft keinen sehr hohen Rang innerhalb des Bezirkes des KJV ertums zu — Bundesbrüderschaft ist nur ein sentimentales Gefühl, ist doch nur die Erinnerung an das gemeinsame Jugenderlebnis; es verpflichtet zu nichts, es bindet nicht stark; zionistisches Pflicht- 24