Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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gefühl ist mehr als Bundesbrüderschaft. Und dann kommen die anderen und definieren: Bundesbrüderschaft ist eine Art Verbundenheit revolutionären Verschwörertunis, empfunden von einer Gruppe von Menschen, die sich zu gemeinsamem Kampfe, zum Umsturz einer Welt zusammenschließen. — Vielleicht ist das eine ebenso wichtig wie das andere, aber beides gibt doch nicht im Entferntesten das wieder, was wir Bundesbrüder, ohne nachzudenken und zu formulieren, als das Wesentliche unserer Bundesbrüderschaft empfinden. Unsere Bundesbrüderschaft ist die Synthese eines Zweifachen: des Gefühls der schlechthin stärksten menschlichen Sicherheit und Geborgenheit durch die Verbundenheit mit dem Bewußtsein der unabweisbaren zionistischen Verantwortungspflicht gegenüber dem anderen. Es ist ein Beglückendes und Verpflichtendes, was in dieser Bundesbrüderschaft steckt: ein Beglückendes, weil es dem Einzelnen das Bewußtsein verleiht, in keiner Situation des Lebens allein und einsam bleiben zu müssen, in jeder Lage auf den befreienden Rat und die helfende Tat des Bundesbruders rechnen zu dürfen; und ein Verpflichtendes, weil es dem Einzelnen die Pflicht auferlegt, sich für alles menschliche und zionistische Tun vor dem Bundesbrüder zu verantworten, wie es diesem das Recht einräumt, die gleiche Rechenschaft von dem anderen zu fordern. So stark wie durch die Kraft dieser beiden Empfindungen, der Sicherheit und der Verantwortlichkeit, können Männer, wenn man absieht von der engsten Gemeinschaft der Familie, durch kein anderes Band verbunden werden. Hier liegt das Geheimnis des Erfolges unseres Rosenkranzbundes: solcher tiefen und echten Bundesbrüderschaft haben wir — heute dürfen wir sagen: nicht vergeblich — in unserem Kreise einen Raum und eine Pflegestätte zu bereiten versucht. Der Weg zum Erfolge war nicht immer leicht. Jener durchaus berechtigte Anspruch des Bundesbruders, vom anderen Rechenschaft für seine menschliche und zionistische Haltung zu fordern, hat, wie die Geschichte des KJV. zeigt, leider oft dazu verleitet, nicht nur die zionistische Haltung und Leistung, sondern auch die zionistische Gesinnung kontrollieren zu wollen. Wir im Rosenkranzbund haben uns von dieser völligen Verkennung des Inhalts und der Rechte der Bundesbrüderschaft mit Bewußtsein stets weit entfernt gehalten. Wir haben stets nur gefragt, welches die zionistische und jüdische Leistung eines Bundesbruders ist, nie aber danach, wo er zionistisch stehe, ob seine Auffassung des Zionismus die richtige sei. Wir haben durch diese weitestgehende Liberalität, die ihr Korrelat in eben jenem von uns gepflegten bundesbrüderlichen Verantwortungsbewußtsein hat, ein Doppeltes erreicht: die Unbefangenheit und Festigkeit der zionistischen Gesinnung jedes Einzelnen, die sich auf das bundesbrüderliche Vertrauen stützt, und die Vielfältigkeit der zionistischen Interessen, die bei uns gepflegt werden konnten. Wenn ich heute daran zurückdenke, welche Fülle und Vielfalt der zionistischen Fragen und Probleme in den 10 Jahren unserer Arbeit bei uns behandelt werden konnte, so ist das für mich neben der Kraft der Bundesbrüderschaft, die uns der Rosenkranzbund verlieh, das stärkste Erlebnis, das ich in ihm hatte. Zu uns durfte und sollte jeder kommen und zu uns kam in diesen 10 Jahren jeder, der zionistisch irgend etwas zu sagen hatte. Wir fragten niemals danach, wie einer den Zionismus auffaßt, wir fragten immer nur danach, ob uns sein Zionismus für die Fundie- 4# 25