Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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KJV. durch <lie von ihm beschlossene Fusion mit dem Blau-Weiß einen Weg einschlug, der nach unserer Meinung notwendigerweise «das Beste unserer bundesbrüderlichen Gemeinschaft zerstören mußte, das Gefühl, daß uns das Fundament unserer zionistischen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, das was wir als das Glück unserer Jugend und die Sicherheit unseres Mannesalters empfanden, unter den Füßen weggezogen wurde. Ich gebrauchte damals in der Rede, die ich in Feitelbergs Hause an die versammelten Bundesbrüder hielt, das Wort: „Wir haben unsere Heimat verloren; ein Mensch kann ohne Heimat nicht sein; wir wollen uns eine neue bundesbrüderliche Heimat schaffen." In solcher Stimmung schufen wir den Erich Rosenkranzbund, Sein Name schon war für uns ein Programm. Denn diejenigen, die diesen unseren ersten Präsiden des Kartells (des BJC. und KJV.) gekannt haben, wissen, daß Erich Rosenkranz im Menschlichen und Bundesbrüderlichen uns allen ein Beispiel war und für alle Zeiten nie erreichtes Vorbild bleiben wird. Dieser von der Natur mit so vielen Gaben reich beschenkte, und doch letzten Endes durch seine spröde, problembehaftete Natur nicht zu naivem Glück geschaffene Mensch schuf sich ein Glück, indem er anderen seine bundesbrüderiiche Freundschaft schenkte, und indem er verstand, mit Bundesbrüdern jung zu bleiben, immer wieder ganz jung, schöpferisch, lebendig, aktiv in der Gemeinschaft zu werden. Sein so früh vollendetes Leben — das war der Sinn der Wahl unseres Namens, — sollte jedem von uns und der Gemeinschaft die Richtung geben, die Richtung des Sichverwurzelns und Sichbergens in der Gemeinschaft, die Richtung des Suchens nach dem Besten in jedem Bundesbruder, die Richtung auch auf immer sich erneuernden zionistischen Betätigungswillen. Das war das Programm des Rosenkranzbundes. Felix Danziger formulierte das, was wir wollten und was im Tiefsten der Wille zur Erneuerung des alten KJV.-Gedankens, — nein, ich sage es ganz deutlich: der Wille zur Erneuerung der alten BJC-Tradition war, in seiner Eröffnungsansprache bei der Gründungstagung des Bundes mit folgenden Worten: ,^Der Erich Rosenkranz-Bund soll eine Zelle sein für aktives politisches zionistisches Leben auf der traditionellen Basis des alten KJV. . . . Wir wollen unsere Ziele in der Form einer Loge, in der nur die Leistung legitimiert, durch die zionistische Aktivität miteinander verbundener Menschen erreichen. Wir wollen also eine kleine Gemeinschaft bleiben, aber eine Gemeinschaft, die Linie hat, und in der ferundschaftliche Bindungen der Mitglieder Vorbedingung für den Zusammenschluß und die Arbeit sind. Zum Erich Rosenkranz-Bund können daher nur diejenigen gehören, die sich im Zionismus als Brüder fühlen." Mit diesem Programm, mit solchem Bekenntnis zu zionistischer Aktivität und zur bundesbrüderlichen Freundschaft traten wir in die Wirklichkeit hinaus. Hat diese Wirklichkeit unseres Lebens als Mitglieder des Rosenkranzbundes das gehalten, was wir uns — ich wiederhole ein Wort von vorhin — nur uns allein damals versprochen haben? Zeigt das Erinnern dieser Stunde das Bewahren und Bewähren, die nach dem Inhalt des von mir zitierten hebräischen Wortes eine Einheit zu sein habe? Wir sind in dieser Stunde der Rechenschaft, die wir vor uns selber, vor unserem zionistischen und KJV.-Gewissen ablegen, von letzter Gewissenhaftigkeit und 22