Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Zum zehnjährigen Jubiläum des Erich Rosenkranz^Bundes. Am 30. Dezember 1932 waren 10 Jahre vergangen, seitdenk der Erich Rosenkranz-Bund gegründet wurde. Bei dem Festkonvente, mit dem der Bund sein 10 jähriges Jubiläum am 28. Januar feierte, hielt einer der Mitgründer des Bundes, Bbr. Georg Herlitz, die nachstehende Festrede. Meine Damen! Liebe Bundesbrüder! Die Zeit, in der wir stehen, mit all ihren täglichen, persönlichen, jüdir sehen und nicht zuletzt auch zionistischen Sorgen und Unruhen ist — darüber sind wir uns wohl alle einig — gewiß nicht dazu angetan, Feste froher Err innerung und zukunftssicherer Hoffnung zu feiern. Aber der würde sich auch täuschen, der den tiefen Sinn dieser Erinnerungsstunde an die vor 10 Jahren erfolgte Gründung unseres Erich Rosenkranz-Bundes auch nur im entferntesten mit dem Gedanken selbstbewußten Stolzes auf das, was wir vor 10 Jahren schufen, mit frohgemuter Ruhmredigkeit, was wir nicht Herrliches geleistet haben, oder auch nur mit der Empfindung selbstsicheren Vertrauens auf die kommende Zeit in Verbindung bringen wollte. Wie wir uns vor 10 Jahren, in einer Zeit tiefer Erschütterung zionistischen Glaubens in weiten Kreisen des deutschen Zionismus, und, — was für uns alte BJC er und KJV er und unseren Entschluß noch entscheidender war, — in einer Stunde schwerster Erschütterung unseres KJV., als wir diesen Rosenkranzbund schufen, von nichts anderem leiten ließen, als von dem Gefühl tiefer Verantwortung für die Gemeinschaft, die wir als unsere zionistische Lebensgemeinschaft empfanden, so darf auch in dieser Stunde der Erinnerung an 10 Jahre Gemeinschaftsleben und Gemeinschaftsarbeit in diesem unseren Bunde in jedem Wort, das wir zur Feier des Tages sprechen, nichts anderes spürbar und hörbar sein als das Bewußtsein der Verantwortung; der Verantwortung gegen uns selbst, gegen unsere Gemeinschaft, gegen den Zionismus und das KJV. und nicht zuletzt gegen die, die nach uns Mitglieder unseres Bundes sein werden. Dieses Verantwortungsgefühl aber scheucht in dieser Stunde alle Ruhmredigkeit hinweg und fordert von uns das eine: Ehrlichkeit und Gewissenhaftigkeitgegen uns selbst. So fragen wir uns in dieser Stunde, indem wir uns erinnern, nicht nur danach, was gewesen und geworden ist, sondern auch und aus innerer Notwendigkeit noch viel mehr danach, ob wir bewahrt und bewährt haben, was wir uns, nur uns selbst vor 10 Jahren versprachen. Ich darf diesem Gedanken vielleicht einmal in der Form eines hebräischen Wortes Ausdruck geben, das Euch allen aus der herrlichen Hymne der Salomo Alkabez zum Sabbateingang bekannt ist: Schamor wesachor bedibbur echad hischmianu el hamejuchad — „Bewahren und Erinnern sind in einem Worte geboten, Erinnern und Bewahren sind ein einziges sittliches Gebot an den Menschen!" Wenn ich zusammenfassend sagen darf, was der tiefe Sinn jener für uns denkwürdigen, unvergeßlichen Stunde im Hause David Feitelbergs und der Gründungstagung des Rosenkranzbundes war, so möchte ich den Stimmungsgehalt jener Tage so formulieren: wir hatten in jenen Tagen, als das 21