Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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diert, weil die händlerische Zwischenschicht, außer den akademischen Berufen die Domäne des deutschen Juden, aus dem Wirtschaftsleben ausgeschaltet worden ist. Die Aussichtslosigkeit für die Zukunft besteht darin, daß, wie immer die wirtschaftliche Entwicklung sein wird, auf alle Fälle diese Schicht ausgeschaltet bleiben wird, daß die Einordnung in eine neue soziale Schicht sehr schwer ist, schon deshalb, weil bei jedem Versuch des Eindringens der nur zu bekannte Gegendruck einsetzt, und endlich darin, daß mit oder ohne numerus clausus durch geschickte Maßnahmen auch die akademischen Berufe weitgehend gesperrt werden. Die Proletarisierung, das große Schlagwort aller Tagungen, ist vorläufig mehr Ausdruck teils der Furcht teils der Hoffnung, als eine rettende Realität. Ausführlich wird dann auf die Gefahr der kommunistischen Idee hingewiesen, die nach drei Gesichtspunkten analysiert wird, dem wirtschaftlichen, dem weltanschaulichen und dem politischen. Es wird als Kern dieser Idee herausgearbeitet die Sehnsucht junger Menschen, daß Zustände wie die jetzigen unter keinen Umständen wiederkehren dürfen. Diese Sehnsucht muß erkannt und bejaht werden, um von unserer Seite eine Diskussion mit Kommunisten sinnvoll zu machen. Andererseits hat die Auseinandersetzung nur Sinn, wenn als Basis vorhanden ist die Bejahung der absoluten Notwendigkeit der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft, Selbstmord ist keine Lösung für krankhafte Erscheinungen des Lebens, er schließt jede Diskussion aus. Es zeigt sich, daß man zum Ideengehalt des Kommunismus weder restlos nein, noch aber als Zionist restlos ja sagen kann. Viel geringer sind demgegenüber die Gefahren der Assimilation, Es folgt eine kurze, historische Begründung und Wertung des wahren und eigentlichen Liberalismus. Es wird gezeigt, warum er in der heutigen Umwelt und daher auch im jüdischen Bezirk attraktive Kraft für Jugend nicht mehr haben kann. Es ist ein Zusammenbruch aller anderen Ideologien im Judentum erfolgt. Als Ersatz erfolgt eine Flucht in traurigste Methoden, Hier muß vor allem die Arbeit des Frontbundes warnend genannt werden, der heute viel gefährlicher als der C.V, für uns ist. Dessen Programm und Ziele sind durch die Ereignisse restlos ad absurdum geführt. Der Frontbund verzichtet auf Ideen und ersetzt sie durch stramme Haltung und einen Jargon, der aus der Politik der Umwelt leider bekannt genug ist, und dei trotzdem oder deswegen gerade in seiner zu nichts verpflichtenden Geistlosigkeit seine Anziehungskraft auf jüdische Menschen immer wieder erweist. Eine offizielle Stellungnahme zionistischer Instanzen, eine scharfe Abgrenzung gegen den Frontbund, ist bisher nicht erfolgt. Es gibt sogar Zionisten, es gibt Bundesbrüder die ihm angehören und für ihn arbeiten. Das Gefallenen-Gedenkbuch, die symbolhafte Manifestierung seines Wirkens, auf das er ungeheuer stolz ist, ist nicht nur jüdisch, sondern rein menschlich in seiner grundlegenden Idee so erniedrigend, daß man nur mit dem Gefühl tiefer Scham darauf reagieren kann. Man überlege sich nur einmal die Konsequenzen einer solchen Propaganda! Es ist notwendig im Frontbund heute den eigentlichen Gegner unserer Ideenwelt und unserer Arbeit im deutschen Judentum zu sehen. Es ist kein Zufall, daß die Zionisten mit geringerer Nervosität auf die politische Entwicklung reagieren. Sie haben gewußt und immer gesagt, daß das, was jetzt in Erscheinung tritt, latent vorhanden war, Ihnen ist keine Weltanschauung zusammengestürzt. Man muß sich aber für die Propaganda darüber 18