Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 30 (1933)
- Issue
- Heft 1 (Februar 1933)
- Date
- 1933-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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klar sei, daß zerbrochene Weltanschauungen nicht durch Parteiprogramme ersetzt werden können. An ihre Stelle haben Lehrkurse zu treten. Letzten Endes wirkt nicht das Baseler Programm überzeugend, sondern die jüdische Geschichte. Daher grundsätzlich wichtig: weniger Versammlungen, mehr Zirkelveranstaltungen. Hier gibt es eine Möglichkeit, den zionistischen Alt-Akademiker erneut «inzusetzen. Vielleicht ist das zugleich eine Möglichkeit, seine sogenannte Müdigkeit durch diese neue und reizvolle Aufgabe zu überwinden. Man soll sich auch abgewöhnen — der Referent hat ein Recht, das zu sagen — persönliche Schwierigkeiten, wirtschaftliche Sorgen usw. in jedem Fall als Entschuldigung anzuerkennen. Es ist sogar, abgesehen von dem Postulat zionistischer Disziplin, so, daß zionistische Arbeit geradezu helfen und erleichtern kann; einmal indem sie von der dauernden Beschäftigung mit dem eigenen Alltag ablenkt, dann aber auch dadurch, daß sie manchem, der, weil ohne Aufgabe und Beruf, sich minderwertig und überflüssig fühlt, das Bewußtsein des Eigenwertes, das Gefühl, doch gebraucht zu werden, wiedergibt. Es wurde dann die Frage untersucht, wer werben kann und wie geworben werden kann. Es wurde gezeigt, wie sehr es auf die Wechselwirkung von Mensch und Idee ankommt. „Die im Menschen lebendige Idee schafft den durch die Idee lebendigen Menschen." Propaganda ist in der neuen Form mehr als früher eine Frage der Persönlichkeit. Juden, besonders junge Juden fragen zuerst: was ist das für ein Mensch, und dann erst: was denkt er. Man muß sich eine sehr banale Sache wieder einmal klar machen: bevor man mit einer Idee und für eine Idee wirbt, muß man mit Geduld um Vertrauen werben. An dieser Vorbedingung, an der Frage der Ausdauer, scheitern bereits die meisten unserer Menschen. Und noch etwas: es ist auf das Entschiedenste jede, bei uns leider so häufige, Arroganz in bezug auf die Auswahl der Objekte der Propaganda abzulehnen. Prinzipiell ist zunächst einmal jeder wert, daß man sich mit ihm beschäftigt. Eine Auslese darf höchstens stattfinden bei der Einordnung in die verschiedenen Gremien, Bünde, Vereine usw. Wird so jede Propaganda mehr und mehr Lehr- und Erziehungs - Tätigkeit, so wird zugleich die Erziehung unserer eigenen Menschen, die besonders für die Aelteren die Form der Selbsterziehung, die igarnicht ernst genug genommen werden kann, ist im KJV. ein unumgängliches Postulat. Sie hat eigentlich dauernd stattzufinden, durch die Auswahl des Verkehrs, durch die Form der Geselligkeit, durch die Lektüre, durch die Art, wie wir unsere Feste feiern. Wir müssen wieder lernen, den Zionismus zu der zentralen Angelegenheit unseres Lebens zu machen, zunächst einmal lernen, daß das keine Phrase, sondern eine ernste und schwer zu erfüllende Aufgabe ist. Es wurde dann über die Bedeutung der Frau im Sinne dieser Aufgabe gesprochen und gezeigt, wieviel von ihr in dieser Beziehung abhängt. Entscheidende Wirkung für die Selbsterziehung, für die Schaffung einer zionistischen Atmosphäre, und damit auch für die werbende Wirkung des zionistischen Hauses hat die Frage der Formen, das schwerste Problem, das es für uns gibt. Hier kann nicht vorsichtig und tastend genug vorgegangen werden, hier bleibt alles dem einzelnen überlassen, hier gibt es keine Reglementierung und Paragraphierung. Nur in geringem Maße besteht dieses Problem für den Traditionstreuen. Wenn wir überlegen, daß 10