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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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Demgegenüber verfochten die jüngeren Bundesbrüder mit größter Schärfe die These: Wichtig sei für uns nur die Kenntnis Palästinas und seiner Probleme; alles andere, insbesondere -die von der wissenschaftlichen Kommission vorgeschlagenen Themen seien eine intellektuelle Spielerei. Was der Zionis* raus sei, wüßten sie ja schon, man hätte es hier ja nicht mit Anfängern zu tun. Gerade die gedankliche Beschäftigung mit Problemen, die ihren Ursprung in -der Galuth haben, sei mit daran schuld, daß so wenig KJV er nach Palästina gingen. Ebenso sei auch die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte uninteressant und unwichtig, da sie uns ja in zionistischer Hinsicht nicht weiterbrächte. Es bedarf wohl nicht vieler Worte, um diesen Standpunkt als eine der größten Gefahren erkennen zu lassen, die der zionistischen Einstellung überhaupt drohen. Denn in dem Augenblick, in dem Zionist glaubt, er sei mit dem Zionismus fertig, ist sein Zionismus innerlich tot. Gewiß ist den erwähnten Bun-desbrüdern zuzugeben, daß es keinen Zionismus gibt ohne tiefes Verständnis für die Fragen Palästinas. Aber diese sind doch schon die praktische Auswirkung der Grundtendenz, die als Idee, als Wurzel der Auswirkung ihre Kraft ziehen muß aus all -den Strömungen und Bewegungen, auf deren Grund-» läge sich die weltanschauliche und politische Stellungnahme des in westlicher Umgebung aufgewachsenen Menschen unserer Tage aufbaut. Nicht nur, daß es uns nur auf diese Weise möglich -sein wird, immer wieder neue Menschen zu Zionisten zu machen und nicht nur, daß angesichts der oft zermürbenden Intensität, mit der die Umweltströraungen und ihre Konsequenzen uns in Anspruch nehmen, ihnen gegenüber auch der gefestigste Zionismus täglich seine Stellung behaupten muß. Unsere zionistische Konzeption, die ja aus vielen Richtungen stammen kann, und stammt, verlangt von sich aus zu ihrer eigenen Lebendigkeit die immer erneute Auseinandersetzung mit den Mächten und Ideen, die mit dem Anspruch auf Gleichberechtigung oder Vorrang auftreten. Es ist auch nicht wahr, daß derartige Auseinandersetzungen dem Palästinagedanken oder der Alijah irgendwo oder in unseren Reihen jemals Abbruch getan hätten. Umgekehrt hat sich vielmehr Lauheit bei denen gezeigt» welche -diese Auseinandersetzung scheuten, da sie sich ihr zionistisch nicht gewachsen fühlten, und die Alijah wurde zur Katastrophe bekanntlich bei denen, die mit geistigen Scheuklappen in ihrer Erziehung ihren Blick nur auf « das Land Palästina gelenkt hatten. Dazu kommt noch folgendes: Nur wer die Galuth kennt, kann sie überwinden, und nur wer weiß, wo er steht, kann mit Sicherheit und Verantwortung den weiten Weg gehen und andere führen. So kommt es auch, daß" der hier abgelehnte Standpunkt jener Bundesbrüder, was sie leider nicht wissen und jetzt mit Entrüstung zurückweisen werden, dem Standpunkt gleichkommt, den die Jugend der linken und rechten extremen Flügel heute ein^ nimmt, und der sich kennzeichnet -durch die Ablehnung des Erarbeitens dei ^ultur-Werte, der geschichtlichen Ueberlieferung und der verständnisvollen Auseinandersetzung mit -dem Gegner. - Daher findet sich auch dort wie hier •»jene programmatische Selbstsicherheit und diese fast geheimnisvolle Verstocktheit."' „Es heißt soviel wie über einen festgelegten VorsteJIungskreis njcht hinaus-fragen." (Egon Vietta):. Ernst Robert Curtius sagte einmal*. „Wenn!^an polemisch werden wollte, könnte man diesen Vorgang als Barbarisierring 115

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