Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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menschliche Voraussetzungen in das „gelobte Land" mitbringen muß. Gerade daran ist die Blau-weiß-Generation und ein nicht unbeträchtlicher Teil der deutschen Chaluziut gescheitert, daß sie deutsche Kulturverhältnisse auf jüdischen Boden verpflanzen wollte. Ich glaube, daß diese Empfindung in der letzten Zeit im Kartell immer mehr an Boden gewinnt; man versucht, wenn vorläufig auch nur tastend, diesen Gedanken Ausdruck zu geben. Fast in allen Verbindungen ist die Einrichtung der Neschafim, des Oneg Schabbath durchgeführt oder zumindest erörtert worden. Ich glaube, daß diese Formen, die noch sehr ausbaufähig sind, durchaus der richtige Beginn sind. Wir müssen uns aber viel mehr darauf konzentrieren, und diese Veranstaltungen in den Mittelpunkt unserer Innenarbeit stellen. Jeder solcher Abende muß gründlich vorbereitet werden, jeder muß ein Erfolg sein. In diesem Zusammenhange kann ich leider nur ganz kurz die Frage des Hebräischen streifen. Für uns muß das Hebräische eine wirklich lebendige Sprache sein. Auch die Liberalen behaupten Hebräisch zu pflegen. Für sk ist es aber eine „heilige Sprache'*, d. h, eine Sprache, die man das ganze Jahrunbenutzt im Schreibpult verschließt und nur an den wenigen Feiertagen als einen traditionellen Atavismus hervorholt. Für uns soll Hebräisch eine heilige Sprache sein, weil wir in ihr unsere Freude und unser Leid und überhaupt alle Dinge unseres Lebens ausdrücken wollen. Zusammengefaßt will ich wiederholen, daß unsere Innenerziehung mehr als bisher auf dem Grundsatz aufgebaut sein muß: Einen jüdischen Menschen in eine jüdische Gemeinschaft zu stellen* Die zionistische Bildungsfrage nach der Auffassung unserer jüngsten Generation Von Ernst Klimowsky (A.H. Maccabaea-Königsberg) Unsere Konvente haben gerade, wenn sie gut sind, u. a. die Besonderheit, daß die Bedeutung ihrer Verhandlungsgegenstände häufig im umgekehrten Verhältnis zur grundsätzlichen Bedeutung der daran geknüpften Aussprache steht. So kam es, daß jüngst anläßlich einer Debatte über die Themen eines Burschenkurses die jüngeren Burschen ebenso wie die Fuxenschaft Gelegenheit hatten und glücklicherweise auch ausgiebig davon Gebrauch machten, ihren Standpunkt zur zionistischen Bildungsfrage darzulegen. Da dieser Standpunkt für das ganze Kartell von Interesse ist, will ich ihn kurz mitteilen und würdigen. Die wissenschaftliche Kommission hatte im wesentlichen. Themen vorgeschlagen, die, wie z. B. der junge Mensch u. der Sozialismus, die modernen Staatsauffassungen, die kulturelle Stellung der Juden in Deutschland, <die Bedeutung des Irrationalismus in der politischen Stellungnahme, Galutharbeit und Palästina, die fundamentale Auseinandersetzung unserer zionistischen Konzeption mit den politischen Strömungen und der Situation in der Galuth sowie im Verhältnis zu Palästina herbeiführen und auf diese Weise dazu zwing*0 sollte, unseren Zionismus zu überprüfen und fester zu unterbauen. 314