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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 23)
Language
German
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und gleichzeitig sich in den meisten Fällen außerhalb jeglichen zionistischen Lebens stellen. Die Tatsache, daß Menschen, die eine jahrelange, mehr oder weniger intensive zionistische und jüdische Erziehung durchgemacht haben, sich mit einem einfachen Schreiben außerhalb aller der Werte, -die ihnen das Kartell vermittelt haben muß, stellen können, ohne diese Werte besonders zu entbehren, sollte uns zu decken geben. Ich sehe hier ab von den Wenigen, die sich zu einer andern Weltanschauung bekannt haben, ziehe aber auch diejenigen mit hinein, die wir unter dem Ausdruck „Mitläufer" verstehen, obv/ohl sie noch formell dem Kartell angehören. Ist die Schuld nur bei ihnen zu suchen oder tragen auch wir einen beträchtlichen Anteil daran? Wenn ein Mitglied eines Sportvereins, das an regelmäßigen Trainingsbetrieb gewöhnt ist, das seine Sonntagsvormittage auf dem Sportplatz verbringt, aus seinem Verein ausscheidet, so wird es zweifelsohne einen gewissen Mangel, ein Fehlen in seiner Lebenseinteilung empfinden. Müßte nicht auch im Leben eines KJV.ers eine erhebliche Lücke wahrnehmbar sein, wenn er sich vom Zionismus abwendet, wo wir doch mit ganz anderen Werten als ein Sportverein operieren? Unsere zionistische Erziehung ist zu sehr darauf gerichtet, den Menschen nur zionistische Kenntnisse und Erkenntnisse und zionistisches Bewußtsein zu vermitteln. Mit diesen Begriffen wollen wir ihre jüdische und zionistische Haltung fundieren. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß wir uns in der Galuth, insbesondere in Westeuropa, tagtäglich in einer nichtjüdischen Umwelt bewegen und daß es im Leben eines jeden denkenden Menschen Krisenzeiten gibt, zu deren Ueberwindung man mehr als Erkenntnisse und Bewußtsein braucht; da müssen V/erte vorhanden sein, die im Unterbewußtsein verankert sind, die in das Wesen des Menschen als ein integrierender Bestandteil eingegangen sind. Wir müssen das Leben unserer Menschen mehr spezifisch jüdisch gestalten. Wir müsen ihnen eine jüdische Umgebung schaffen, von der man sich nicht ohne weiteres lossagen kann. Der erzieherische Wert einer „öffentlichen Meinung" ist in unseren Kreisen hinlänglich bekannt. In der Kleinstadt, wo eine solche zionistische, öffentliche Meinung in weit stärkerem Maße als in der Großsta-dt besteht, hat sich gezeigt, daß dadurch auf den Einzelnen oft ein Druck ausgeübt wird, aus seiner zionistischen Anschauung die notwendigen Konsequenzen zu ziehen, was sonst aus egoistischen Gründen oder Trägheit unterbleiben würde. Die Voraussetzung einer öffentlichen Meinung ist aber in jedem Falle das Bestehen einer geschlossenen, von der Umwelt unterschiedlichen Gemeinschaft. Die Verhältnisse der Großstadt machen mehr als anderswo eine künstliche Bildung einer solchen Gemeinschaft erforderlich. Wir müssen ein Aequivalent zu finden versuchen für das Kulturleben der jüdischen Massensiedlungen im Osten, das den aus diesen Kreisen stammenden Zionisten ihren Elan und ihre zionistische Wucht eingibt. Selbstverständlich wird die Formgebung dieses jüdischen Lebens eine andere sein als die im Osten. Auch von einem andern Gesichtspunkt aus gesehen ist diese jüdische Fundierung von besonderer Wichtigkeit. Diejenigen von uns, die die Möglichkeit haben, nach Palästina herüberzugehen, haben natürlich einen größeren zionistischen Impuls als diejenigen, denen diese Möglichkeit fehlt. Sie befinden sich in einem Aufbruchzustand, der oft jahrelang dauert, vergessen Äber, daß man außer den sachlichen Voraussetzungen (Beruf etc.) auch 313

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