Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3537599-3537829-3537839--8557-3546621- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Staate untergeordnet, sie dienen dem Staate. Darum ist der Krieger^ stand der erste Stand im Staate. Das Kleid des Kriegers heißt des Königs Rock. Wer des Königs Rock trägt, ist königlich und hat im Benehmen und Handeln die Königlichkeit darzustellen." Eine rethorische Frage: Wäre Herr Stapel fähig, die großen Worte eines genialen Deutschen zu verstehen, wenn ihm auch Hyperion zugerufen hätte: „Du räumst dem Staate doch zuviel Gewalt ein. Er darf nicht fordern was er nicht erzwingen kann. . . . Die rauhe Hübe um den Kern des Lebens, und nichts weiter ist der Staat." Der Krieg und die neue Ordnung, Daß zur Existenz der eigenen Gruppe das Bestehen des minderwertigen Feindes gehört, erwähnten wir bereits. Die Feindseligkeit braucht aber durch, keinerlei sachlich inhaltliche Momente begründet sein. Vielmehr spitzt sich die ganze Feindseligkeit zu einer im „Wesen** der gegnerischen Gruppen — nicht etwa der einzelnen — liegenden Gegensätzlichkeit zu, aus der schon an sich, unmittelbar, ohne notwendige besondere inhaltliche Konflikte, der kämpferische Zusammenstoß zwingend folgt. Woran ist aber der Feind und die Notwendigkeit der Feindseligkeit zu erkennen? Dafür gibt es nur eine Antwort: Unzweifelhaft lediglich daran, daß man diese Feindseligkeit und diesen Feind wilL So gehört der Krieg zum Merkmal des nationalsozialistischen Treibens. Natürlich nur der „Verteidigungskrieg", Ein Angriffskrieg ist bekanntlich noch niemals geführt worden. Die Verherrlichung des Krieges, der Kampfzone, wo heute nicht Mensch gegen Mensch, sondern Typen, Rassen gegeneinander kämpfen, nimmt hier einen krampfhaft-brutalen Charakter an. Im Kriege erst ist die restlose Politisierung des Lebens als die „totale Mobilmachung" erreicht. Der militärische Kult, jene, seit der griechischen Komödie so gut bekannte Großtuerei, die angeblich nur T. amph oder Untergang kennt, hat vom Weltkrieg nichts gelernt und alles vergessen. Der Militarismus wird hier als eine „neue", „geistige" Haltung gepriesen. „Ihre Träger sind, wie uns Ernst Jünger, einer der größten Mystagogen der Bewegung, zu belehren weiß, vom Schlage jener Freiwilligen, die den großen Krieg mit Jubel begrüßten und die alles begrüßen, was ihm folgte und folgen wird, eines Menschenschlages, der sich mit Lust in die Luft zu sprengen vermag, und der in diesem Akte noch eine Bestätigung der Ordnung erblickt." Man sieht, was für eine Ordnung uns im Staate dieser Theoretiker erwartet. In memoriam Siegfried Levy Einen Abend vor Col Nidre starb unser lieber Bundesbruder Siegfried Levy in Wandsbek, erschütternd früh, mit eben 31 Jahren. Wer den immer gutgelaunten Mann mit seinem jüdischen Herzen und seinem rheinischen Frohsinn kannte, wird die ganze Tragik begreifen, daß gerade er so früh das Leben Erlassen mußte, das er liebte und das er anfüllte mit gern getaner Arbeit und Gewußtem klugem Lebensgenuß. Er hatte wie nicht viele unter uns das Glück, lri einem Hause aufzuwachsen, das zionistisch war, seit es einen modernen Zionismus gab, so daß Judentum und Zionismus ihm selbstverständlich und 311