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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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eität" nannte, bekämpfen seine deutschen Anhänger die Juden, gerade weil sie sich für die Idee des Vaterlandes angeblich nicht begeistern können. Immerhin sind auch sehr scharfe Aeußerungen gegen stärkere Gruppen zu vermerken. So schreibt Wolters über Frankreich: „Wir sind und werden gezwungen sein, gegen das ganze Volk der barbarischen Gallier zu kämpfen, die Caesar beschrieb und niederwarf, die nun seit einigen Jahrhunderten die römischen und germanischen Substanzen aufgezehrt, in den Revolutionen völlig vergeudet haben, und nun mit der ganzen Rachgier unterworfener, minderwertiger Rassen, mit der ganzen Blutgier rebarbarisierter Kelten sich auf den blühenden Nachbar werfen." Führertum und Analphabetentum» Vor allem wird die Führerelite mit einer schier göttlichen Aureole umgeben. Der Führer wird hier nicht nach seiner Leistung bewertet, sondern nach seiner Stellung als Führer, Uneingeschränkte Herrschaft und bedingungsloser Dienst sind die Haupttugenden dieser „neuen" Weltanschauung. Wer nicht stramm vor dem Befehlshaber stehen kann, verrät sein unechtes Blut. „Jede Haltung — so schreibt ein nationalsozialistischer Theoretiker — der ein wirkliches Verhältnis zur Macht gegeben ist, läßt sich auch daran erkennen, daß sie den Menschen nicht als Ziel, sondern als ein Mittel ergreift. . . . Das tiefste Glück des Menschen besteht darin, daß er geopfert wird. . . ." Herrschen aber dürfen diejenigen, die am meisten Leidenschaften in sich aufbewahrt haben, die „Elementarischen", die von der europäischen Kultur am wenigsten „Vergifteten". Die Führerschaft muß jung und rücksichtslos sein, „je weniger Bildung im üblichen Sinne diese Schicht besitzt — schreibt derselbe Theoretiker — desto besser wird es sein. Leider hat uns das Zeitalter der allgemeinen Bildung einer tüchtigen Reserve von Analphabeten beraubt!" Ueber Kulturgüter, über die Sorge um das Wohl der Menschheit, über Ziele und Werte, um die das menschliche Geschlecht seit Jahrtausenden rir-gt, sind diese „Uebermenschen", wie man leicht einsieht, längst hinausgewachsen. Was schiert noch das ganze „Kulturantiquariat" diese tüchtigen Zarathustra-Karikaturen? Ihre Argumentation ist unwiderlegbar. Denn „die Empfindungen des Herzens und die Systeme des Geistes sind widerlegbar, während ein Gegenstand unwiderlegbar ist — und ein solcher Gegenstand ist das Maschinengewehr", das dem Führer rücksichtslos zur Verfügung steht. Das Politische. Seine Herrschaft ist unbegrenzt. So weit die Feindschaft reicht, erstreckt sich sein Gebiet. So gewiß das oberste politische Gebilde, der Staat, allmächtig, der Wille des Führers, der ihn lenkt, uneingeschränkt ist, so gewiß erhebt sich jede noch so unbedeutende Handlung oder Zustand zum Range einer politischen Handlung und eines politischen Zustandes. Alles muß politisiert, mobil gemacht, in den Dienst gestellt werden. Es gibt ein Substanzgesetz des Politischen, wie es ein Substanzgesetz der Materie gibt. So schreibt Herr W. Stapel in seinem neuen Werke „Preußen muß sein' — ob bei wachem Verstände! — die unheimlich grotesken Sätze: „Der Preuße ist immer eine politische Person. Der Staat steht ihm immer höher als Heimat und Familie. Auf jedem Preußen ruht der Blick des Königs; der König sieht alles, was ein Preuße tut. Darum hat der Preuße kein Privatleben. Familie, Habe und Heimat sind dem 310

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