Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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^rache" -des Germanentums fremd und feindlich gegenüberstehe und durch Übersetzungen angekränkelter Westler in den deutschen Kultur Organismus eingedrungen sei. Jenem großen Königsberger Denker, der wie allbekannt 5ich sein Leben lang niemals von seiner Heimatstadt entfernt hat und der im Jahre 1795 „zum ewigen Frieden" und Völkerversöhnung mahnte, blieb demn3ch -die deutsche „Ursprache*1 mit sieben Siegeln verschlossen; er war nur ein ganz kleinbürgerlicher Konsument der westlichen Gedankenproduktion. Wo Hegt nun die Wahrheit, bei den italienischen oder deutschen Faschisten? Beiden kommt es nicht auf die Wahrheit an. Denn „gut hassen ist wichtiger als richtig denken" meinte bereits Drexler, der erste Theoretiker der Bewegung, Ehrenchef der Partei während des Putsches. Der Mythos. Die neue geistige Ordnung, die sich auf den Trümmern de3 demokratischen Vernunftsystems aufbauen soll, steht in engster Beziehung zu den elementaren Affekten des Seelenlebens. Die politischen Affekte, jene leidenschaftlich triebhaften seelischen Aufwallungen und Dauerhaltungen, die weit jenseits vernunftmäßiger Ueberzeugungen und Gründe stehen, konzentrieren sich um das Verlangen nach Macht und um das Gefühl der Feinschart ge£en alles, was außerhalb der eigenen Gruppe sich befindet. Die eigene Gruppe wird als die wichtigste Angelegenheit, um die sich die gesamte Welt der Werte und Tatsachen gruppiert, angesehen, aber nicht nur der Welt von heute, sondern auch der ganzen Welt der Vergangenheit. So tritt der Nationalsozialismus mit dem Anspruch auf, den Kampf weiterzuführen, den der „echte" germanische Geist seit jeher gegen den ,,Varusgeist" äusträgt. Die nationalsozialistische Bewegung fühlt sich als die Spitze der Schöpfungspyramide. Andere Gruppen auf der Erde und weiterhin alle Nichtmitglieder von Gruppen sind im Vergleich mit ihr minderwertig. Gemeinschaftsgefühle innerhalb des eigenen Sozialgebildes und Gegensatzgefühle gegenüber der Außenwelt steigern sich gegenseitig empor. Diese ganze Haltung der ständigen Kampfbereitschaft formuliert sich bei Spengler zu einer anscheinend objektiven" These so: Ein Volk ist nur wirklich in beziig auf andere Völker und diese Wirklichkeit besteht in natürlichen und unaufhebbaren Gegensätzen, in Angriff und Abwehr, Feindschaft und Krieg." Das politische Denken wird mylhisiert um der Kontrolle der Vernunft entzogen zu werden. Anderssein gleicht hier im Mythologischen, minderwertig sein. Vor der Vernunft ist es völlig klar, daß der Schuster ebenso wichtig is^t wie der Schneider, die Infanterie ebenso überflüssig wie die Artillerie, jedes Volk mit demselben Maßstab zu bewerten ist. Dort aber, wo die Gr-ppenleidenschaften das Wort führen, wird die eigene Rasse, Nation als Herrengemeinschaft dargestellt und die fremde mißachtet. Auf diesen Leidenschaften baut sich „der Mythos des zwanzigsten Jahrhunderts" von Herrn Alired Rosenberg auf. Einer längst beobachteten Tatsache zufolge, daß Lebewesen, sei es Spatz und Fliege, Großgrundbesitzer und Landarbeiter, meistens nur die Schwächeren angreifen und aus einem natürlichen Instinkt cich dem Kampfe entziehen, der ihr Dasein bedrohen könnte, sind die Juden der natürliche Angriffspunkt, sowohl der nationalsozialistischen Alltagspraxis wie ihrer Theorie. Da3 es sich in diesem Vernichtungskampfe gegen Judäa"* nicht um nationale Argumente handelt, braucht kaum bewiesen zu werden. Während z. B. Gobineau, der Ahnherr der Rassenlehre, ,,die Idee des Vaterlandes eine semitische Monstro- 309