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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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anderen gruppenbildenden Faktoren zurückzustehen hätten, oder der sie zu opfern seien. Die Vookämpfer eines gruppenbildenden Willens verfechten häufig die VordringlicHkeit oder Ausschließlichkeit seiner Bedeutung, Das liegt in der Natur ihrer Aufgabe als Vorkämpfer. Sache anderer ist es, objektiver die historische Bedeutung ihres Willens, die Richtigkeit ihrer Behauptungen zu beurteilen. Betrachten wir den Lebenszustand der Gruppe Juden. Die Ju&n sind zunächst eine Jahrtausende alte Blutsgemeinschaft, als solche iineischütiert trotz aller Mischehen. Die Juden sind ferner eine Religionsgemeiischaft trotz religiöser Untergruppierung. Darüber hinaus gibt es für die Ges-mtheit der Juden eine Reihe von gruppenbildenden Gemeinschaftlichkeiten an sich geringerer Bedeutung, die nur deshalb bedeutsam werden, weil sie nifc Bluts- und Religionsgemeinschaft zusammen und aus ihnen stammend die Empfindung der jüdischen Zusammengehörigkeit verstärken; um nur einige zu nennen: die Kenntnis der jüdischen Geschichte, das Erlebnis des Antisemitisnus, die 2*lassierung in bestimmten Berufen, Wohnbezirken etc, Aber aaif der anderen Seite stehen die Zerstreuung in viele Staaten verschiedenste*, politischer und wirtschaftlicher Struktur und Interessen, sowie die Tatsache, daß die Juden in vielen Ländern die dort herrschenden Sprachen als Muttenprachen sprechen, und daß ihre Charaktereigenschaften wie ihr BildungsunÜ Lebensstandard durch den Standard der Bevölkerung, in der sie leben, miÖEstimmt werden. Das sind Faktoren, die dem nationalen Charakter des Gesaiii-Judentums entgegenstehen. tMan Sann daher von der Gesamtheit der Juden als einer jüdischen Nation nur dann sprechen, wenn man aus der Reihe der — objektiv-historisch gesehen — gleich wichtigen natioi. ditätsbildenden Faktoren aus subjektivem Willen unf Empfinden nur die vorhandenen Faktoren als beweisend und genügend hsraussucht, wobei man anderen Beurteilern das Recht nicht verweigern darf, durch die entgegengesetzte Selektion die Nichtexistenz einer jüdischen Gsiamtnation zu beweisen . Aus dieser Sachlage stammen so)^^ Folgerungen wie die, daß zu einer Nation gdlürt, wer zu ihr gehören will, und so manche unfruchtbare und umso leidensclufHieher verfochtene These, daß entweder „nur die Blutgemeinschaft' oder „nur die Sprachgemeinschaft" die Zugehörigkeit zur Nation bestimmen. Während man doch kühleren Herzens nur konstatieren kann, daß die Gesamtheit der Juden als Bluts- und Religionsgemeinschaft, aber nicht als nationale Gemeinsdiaft im vollen Sinne des Begriffs betrachtet werden muß. Und man muß fernerhin erkennen, daß die Frage nach der jüdischen Nationalist für die Judenschaften in den einzelnen Ländern verschieden zu beantworten ist. und zwar so stark verschieden, daß eben auch verschiedene praktisch-politische Konsequenzen gezogen v/erden müssen. Denn v/er aus dem als national anzuerkennenden Lebenszustand der Juden in Polen seine Ansichten ohne Abweichung nach Deutschland überträgt, verkennt den Lebenszuäand der deutschen Juden und die hier bestehende politische Lage ebenso, vie der deutsche Jude, der aus deutsch-jüdischen Verhältnissen heraus den nationalen Charakter der jüdischen Gemeinschaft in Palästina nicht wahr liErren will oder bekämpft. 304

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