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Der jüdische Student · 1932-12-01 · Heft 11 (Dezember 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 11 (Dezember 1932)
Date
1932-12-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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sehen Juden, eine Nation sind") oder als eine Art von Nationalverrat (wenn man diese Voraussetzung nicht vollinhaltlich annimmt). Es hat vielleicht mehr Bedeutung als die eines reinen Diskussionssports, jle „nationale Frage der deutschen Juden" wieder einmal zu diskutieren» Dergleichen theoretische Betrachtungen werden ja nur begonnen,, wenn ein politischer Zweck seine Begründung sucht, und die theoretische Antwort wird stets so lauten, daß sie dem politischen Willen des Fragenden entspricht. — Der politische Wille Polkes zielt offenbar zur Zeit darauf ab, der judenfeindlichen Propaganda der Nazis zu begegnen. Er fürchtet für die Gleichberechtigung der Juden und sucht die Rechtsgrundlage, den Völkerbund zu Hilfe zu rufen. Kein Zweifel: träte die Entrechtung ein, wie die Nazis sie erstreben, so würde damit die deutsche Judenheit zur nationalen Minderheit und als solche gewiß auch vom Völkerbund anerkannt werden. Aber ich halte diese Entwicklung eben nicht für wahrscheinlich, und die Forderung, daß die deutschen Juden sich bereits vorbeugend als nationale Minderheit erklären sollen, scheint mir verfehlt, weil sie der Sache Gewalt antut. Weicher Sache? — Dem Lebenszustand der Menschengruppe: „Deutsche Juden". Bbr. Polke, dessen Theorie ich den dargestellten, politischen Zweck untergeschoben habe (jeder wird verstehen, daß ich hier nur an ehrliche Ueberzeugung glaube), wird mit Recht fragen, welchen politischen Zweck ich selbst verfolge. Ich will einerseits verhindern, daß wir durch eigne Verfechtung einer falschen Nazitheorie die Gefahr unserer Entrechtung in Deutschland verstärken, und will andrerseits bewirken, daß die Zentralvereinler und ihre Mitläufer sich der Hilfe am Aufbau Palästinas nicht unter . Berufung auf eine Nationalitäts-Theorie entziehen dürfen, die von ihnen ebenso leidenschaftlich bekämpft wie in unseren Kreisen leidenschaftlich verfochten wird, und die ich für objektiv falsch halte. — Und nun meine eigene Theorie über den Lebenszustand der Menschengruppe Deutsche Juden: Es gibt so unzählbare Menschengruppierungen, wie es gruppenbildende Ursachen gibt. Bekanntlich können 2 Menschen bereits eine Gruppe bilden, denn eine Gruppenbildung entsteht durch nichts anderes als durch eine irgendwie begründete Zusammengehörigkeit. Die Gruppen können sich stark überschneiden, da jeder Mensch zu gleicher Zeit vielen Gruppen angehört. Eine Reihe von gruppenbildenden Faktoren sind für den Ablauf der Menschheitsgeschichte besonders bedeutsam: Der Staatsverband, die Muttersprache, die Religion, die Blutsgemeinschaft, die Wirtschaftsgemeinschaft, die soziale Klasse. Die Bedeutung der einzelnen der hier genannten Faktoren, allein oder in Verbindung miteinander oder mit anderen hier ungenannten, ist nach Zeit und Gelegenheit verschieden. Als Nationalgruppen empfinden sich Menschen umso stärker, je mehr wichtige, gruppenbildende Faktoren zusammentreffen, umso schwächer, je weniger dieser gleichen Hauptfaktoren als gemeinsam für die Gruppe gegeben sind. Beispiele! Der Deutsch-Nationalist sieht mit Neid die stärkere Einheitlichkeit der französischen Nation, weil diese nicht in zwei Religionen gespalten ist; khandi kämpft um die nationale Einigung der Hindu, indem er für die Aufhebung der Unberührbarkeit kämpft; der Kommunist vertritt die Idee der ■ sozialen Gleichheit und ökonomischen Einheit der Menschen, hinter der alle 303

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