Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 11 (Dezember 1932)
- Date
- 1932-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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artiger« ihrer besonderen Eigenart und ihren besonderen Bedürfnissen entsprechsader Status geschaffen werden müßte;*) b) ^eil, wie Polke auch anerkennt, das Völkerrecht der Gegenwart den Status d:er nationalen Minorität und ihrer in den Minoritätenverträgen anerkannten Rechte ungenügend gesichert hat;*) c) aseii endlich die sogenannte kulturelle Autonomie, die oft zu Unrecht den einzigen Inhalt der Rechte von Minoritäten in den osteuropäischen Staaten bildet, auch auf andere Weise erreicht werden kann und außerdem für die Juden einen eigenen Zuschnitt verlangt. DM gerade die Juden immer Vorkämpfer der Minoritäten waren und in den- Kampf um den Ausbau des Minoritätenrechtes im Völkerrecht de lege ferexda noch sind, ist unbestritten. In welcher Weise aber die Lösung der einschlagen Probleme in den Staatsverfassungen der einzelnen Länder erfolgt, ob im Sinne des besonders in den Nationalitätenstaaten des Ostens vorhandenen und auszubauenden Minoritätenrechts oder in der Richtung der von Polke ük%ens sehr oberflächlich gedeuteten angelsächsischen Rechtsauffassung, ist wir Fall zu Fall zu entscheiden. Daß die Juden keine Veranlassung haben, aTkin doktrinär nur auf das Prinzip zu sehen, zeigt die Entwicklung der Nationalitätenfragen in den baltischen Staaten und in Palästina. Unsere Interessen shd keineswegs durchweg mit denen anderer Minoritäten, welche uns gegenüber oft eine gefährlichere assimilatorische Politik als die Mehrheitsnationen treiben, immer identisch, und Palästina verlangt eine rechtlich begründete völlig neuartige Konzeption des Nationalitäten-Problems. Wir dienea also niett einmal der Sache des jüdischen Volkes und der -Minoritäten, wenn wir die komplizierte Situation durch Aufstellung doktrinärer Forderungen in DeutscHhnd noch mehr verwirren. Auf Hugo Marx sollte sich Polke lieber nicht st&zen« Marx ist gerade das Musterbeispiel dafür, zu welchen absurden und uifendierten politischen Theorien ein assimilantisch eingestellter „Realpolitiker" gelangen kann, wie niemand wirklichkeitsfremder ist als dieser zu einem merkwürdigen Territorialismus bekehrte Sozialdemokrat. Marx und neuerelhgs Lieblich erliegen, so verschieden sie auch sind, dem gleichen magnetis-cnm Zauber eines neuen Gedankenkreises, in welchem sie nicht sehr tief einge&ungen sind, den die zionistischen Politiker aber souverän beherrschen sollten. Ich werde demnächst ausführlicher an anderer Stelle versuchen, die hier alfgestellten Thesen wissenschaftlich zu ergänzen. 2.) Vcm Dr. Walter P i n n e r - Hamburg. & deutschen Juden sind zur Zeit keine nationale Minderheit mehr, und es isä nicht wahrscheinlich, daß sie es wieder werden. Für Bbr. Polke, den Verfasser des gleichüberschriebenen Aufsatzes in Heft 9, muß diese Antwort entweder als Unlogik erscheinen (wenn man nämlich mit Polke als unstreitig voraussetzt, daß „die Juden, also auch die deut- T) S. auch die Ziffern der "Minderheiten: Letzte Reichstagswahl 34 500, vorletzte 34 900. ")} Siehe den verschiedenen Status in den durch Minoritätenverträge besonders verpflichteten Staaten wie Polen, Rumänien etc. und den baltischen Stasßen- 302