Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 10 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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In der Frage der Zusammenarbeit mit der ZiSt. warnt Jacoby vor einer Fusion, setzt sich aber für praktische Zusammenarbeit ein. Es können namentlich in der Provinz eine Reihe von Außenaufgaben gemeinsam in Angriff genommen werden, auch können einige Kurse gemeinschaftlich veranstaltet werden, doch soll die eigentliche Erziehungsarbeit getrennt vor sich gehen. Zum Schluß spricht Jacoby über die Wichtigkeit der Außenarbeit, welche ein Glied der gesamten Erziehungsarbeit der Verbindungen sein müsse. In diesem Zusammenhang setzt er sich für eine stärkere Zusammenarbeit mit den zionistischen Jugendbünden ein. Wir können zwar den Jugendbünden keine Führer stellen, weil diese aus den Bünden selbst hervorgewachsen sein müssen, können ihnen aber bei der Stellung von Kursleitern und bei der Werbearbeit weitgehendst helfen. A.H. Boris Gure witsch (Hechawer-Riga): Das Erziehungsreferat von Konrad Jacoby ist sehr lehrreich gewresen. Wir sollten in unserer Erziehungsarbeit immer wieder das englische „Public Service"-Prinzip in den Vordergrund schieben. Das deutsche kantianische „Pflichtgefühl" scheint mir für kollektivsoziale Erziehung auf längere Sicht nicht die gewünschten Resultate gezeitigt zu haben. Die politische Entwicklung in Deutschland ist vielleicht zum Teil durch das Fehlen des „Public-Service-Elementes" in der deutschen Erziehung zu erklären. Unser Erziehungssystem sollte die positiven Seiten der englischen Erziehung zum „politisch denkenden Gentleman" in unserem Leben verwirklichen. Herr B u n k (AI-Hamischmar, Kaunas) greift die Gedankengänge des modernen deutschen Zionismus heftig an. Er betont auch die Notwendigkeit einer Hebraisierungsarbeit in der Studentenschaft. . Pulik (Berlin) vermißt praktische Vorschläge. Arjeh Ragolsky (Königsberg) bezweifelt die Möglichkeit, daß K JV er, die in ihrer Lebensform bereits festgelegt sind, Führer sein können in einer Jugendbewegung, die chaluzisch sein will. Wir müßten die Grenzen unserer Betätigungsmöglichkeiten erkennen. Sagenkahn nimmt zur Frage der Lebensformen im Kartell Stellung. Er rechnet damit, daß sich diese Frage durch organische Entwicklung von selbst lösen werde. Tempel (Danzig) stellt die Forderung auf, daß die Zionisten in weit höherem Maße als bisher an die Spitze des jüdischen Volkes treten müßten. — Er weist ferner auf die Wichtigkeit der Hochschulpolitik hin. Schlußwort Konrad Jacoby. Jacoby wendet sich in seinem Schlußwort gegen die Ausführungen von Herrn Bunk. Die ostjüdischen Bundesbrüder aus Riga hätten mehr ^Verständnis für die W2stjüdische Problematik als Bunk. Pulik hält er entgegen; wenn nicht ganz bestimmte, praktische Vorschläge vorlägen, so könne man sie auch nicht in den Mittelpunkt der Erörterungen stellen. — Ragolsky hätte mit seinen Ausführungen nichts gegen die Möglichkeit einer fruchtbaren Zusammenarbeit mit zionistischen Jugendorganisationen bewiesen. Mit Sagenkahn stimmt Jacoby überein. Zu der v°n Tempel aufgeworfenen Frage der Hochschulpolitik könne er dagegen nichts anregen, da er sich in dieser Angelegenheit nicht für kompetent halte. 284