Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 10 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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ist diese Richtung deshalb gefährlich, weil sie heute den Juden eine Haltung aufzuweisen scheint, welche enttäuscht von ihrem bisherigen assimilatorischen Weg noch nicht die Kraft zu zionistischer Entscheidung finden. Eine national-jüdische Lebensform ist im Westen bisher nicht entstanden, per deutsche Zionismus kann daher auch keine Massenbewegung mit den Methoden einer Massenbewegung schaffen. Er ist wesentlich darauf angewiesen, den atomisierlen einzelnen Juden zu werben und möglichst viele dieser Menschen intensiv zionistisch zu erfassen; jedem einzelnen muß zunächst individuell die Verpflichtung, die er gegenüber seiner Nation hat, zum Bewußtsein gebracht werden. Der einzelne Westjude hat noch nicht von vornherein jenes notwendige Grunderlebnis der Zugehörigkeit zum jüdischen Volke. Es kommt nun darauf an, diese Menschen in das zionistische Leben einzugliedern. Man muß versuchen, ihm durch Gruppenerlebnisse oder durch Aufweisen des geschichtlichen Zusammenhanges beizubringen, sich als Glied des jüdischen Volkes zu empfinden. Darüber hinaus muß er in die geistesgeschichtlichen Grundlagen unserer nationalen Bewegung^ eingeführt werden. Dabei genügte es nicht, ihm Zionismus nur als ein Ergebnis jener in der jüdischen Geschichte verwurzelten Zionsliebe darzustellen, es muß ihm klar gemacht werden, daß der Zionismus sehr wesentlich auch auf westeuropäischen Quellen fußt, und daß es nicht zufällig ist, daß die jahrtausende alte Zionsliebe erst im 19. Jahrhundert ihren politischen Ausdruck fand. Wem so die Grundlagen des Zionismus, klar geworden sind, mit dem muß von diesem veränderten Standpunkt aus seine Stellung zum Staat tmd zur Kultur seiner Umwelt diskutiert werden. Er muß auch von vornherein in die politischen Tendenzen der zionistischen Bewegung und in die Geschichte des Zionismus eingeführt werden. Die zweite Phase der zionistischen Erziehung ist die Erziehung im Zionismus. Wir müssen hier klar sehen, daß ohne eine Uebersiedlung nach Palästina der größte Teil unserer Probleme fortbesteht. Wir können einem Zionisten beute nicht mehr viel geben als eine zionistische Haltung, mit welcher er weiter arbeiten muß. Es gelingt uns nicht, ihm von dem kulturellen und politischen Problem des Bürgers zweier Welten zu befreien, denn noch ist eine möglichst weitgehende Hebraisierung zu fordern. Die Beschäftigung mit der Geschichte des jüdischen Volkes soll einer möglichst innigen Verbindung mit dem Geist des Judentums die Wege bahnen; man soll aber hierbei nicht immer nur die Leiden des jüdischen Volkes aufzeigen, sondern auch an dem Leben ^cr großen jüdischen Persönlichkeiten etwas von dem Geist unseres Volkes llr*d seiner Geschichte erfassen. Wichtig ist vor allem eine immer lebendige ^ilnahme an der jüdischen Gegenwart und eine dauernde, von Verantwortung getragene zionistische Arbeit. Sodann ging Jacoby noch auf einige wichtige Fragen ein, welche im ^"genblick im Kartell diskutiert werden. Zur Formenfrage meinte er, daß es n'cht genüge, wenn wir plötzlich für unsere Einrichtungen hebräische Benennungen einführen würden. Man muß sich zunächst mit der Form unseres ^amrnenlebens beschäftigen und von innen heraus hier zu einer organischen 'Xeu3eslaltung kommen. Ansätze hierfür sind schon da; wir haben den Neschef in einigen Verbindungen ist mit viel Erfolg die Form de? Oneg Schab- "a*h eingeführt worden, bei dem man insbesondere das hebräische Lied pflegt. 2S3