Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 10 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537829-3537838--8522-3546585- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
aufhören; denn ein großer Teil des Jüdischen Volkes wird nie nach Palästina gelangen. Der Zionismus ist nicht der Vertreter der palästinozentrisch eingestellten Juden, sondern der Vertreter und Führer des* ganzen Volkes. Konrad Jacoby (Berlin) geht auf die Ausführungen von Paul Jacobi zur Frage der Stellungnahme zum deutschen Staat ein. Er zitiert das Wort Sombarts, wonach man den Juden alle Rechte geben müsse, sie aber den Takt besitzen sollten, nicht alle Rechte in Anspruch zu nehmen. Auf einen derartigen Standpunkt wird man sich über kurz oder lang zurückziehen müssen. — Galuth und Palästina müssen in Wechselwirkung zueinander treten. Die Zionistische Organisation wird dieser Aufgabe, die Wechselwirkung zu vermitteln, nicht gerecht; sie bedarf daher der Erneuerung. Es ist die Aufgabe des KJV., für eine. solche Erneuerung der ZVfD. und für ihre verstärkte Aktivität zu sorgen. Leitmann (Riga) erinnert an die Diagnose Herzls im Hinblick auf die Judenfrage. Nur verstärkte Arbeit könne uns weiterbringen. A.H. Siegfried Rosenbaum (Leipzig): Die heutige Situation ist schon früher vorausgesehen worden, und die Beispiele der heutigen Zeit erweisen die Richtigkeit der damals von uns gewonnenen Erkenntnisse. — Die ostjüdischen Bundesbrüder sind den westjüdischen darin voraus, daß sie realer denken und mehr zur praktischen Arbeit neigen als zur Theorie. In politischer Hinsicht dürfen wir nicht die nationalsozialistische Denkweise übernehmen und müssen uns vor Unklarheiten hüten. Im Kartell müssen wir darauf achten, daß die Bundesbrüder zu exakter Arbeit und zur genauen Diskussion erzogen" werden. A.H. Boris Gure witsch (Hechawer, Riga): Das Referat von Paul Jacobi halte ich für eine glänzende Leistung. Die Problematik der jüdischen Gegenwart ist in diesem Referat dogmatisch klar zum Vorschein gekommen. Hie das zusammenbrechende Galuth — dort Erez Israel im gigantischen Aufbau. Die zionistische Bewegung sollte zur gegenwärtigen Brücke der beiden Antithesen werden und zur synthetischen Schaffenskraft des jüdischen Volkes sich entwickeln. Die maßlose Galuthnegierung — wie es manche Diskussionsredner nicht besonders glücklich versucht haben — ist gerade heute zu verwerfen, da sonst der Zionismus sich nicht zur dominierenden Stellung in der jüdischen Welt durchsetzen wird. Der Zionismus muß auf alle Erscheinungen der jüdischen Welt reagieren in seiner Emanation — in der Form der zionistischen Organisation. Vor 15 Jahren stand das russische Judentum auch. am Scheidewege; es waren damals die besten Perspektiven für eine verheißungsvolle Galutharbeit, gerade die zionistische Organisation beherrschte ]n den Jahren 1917—1918 das jüdische Leben in Rußland. Und zu gleicher Zeit entstand im selben Rußland die Hechaluz-Bew^gung — das Ruhmesblatt der jüdischen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. In der heutigen Zeit, wo wir den Zusammenbruch des geistigsten Judentums, des deutschen, und des ungeistigsten, des amerikanischen, erleben — russische liegt schon seit Jahren in Trümmern — sollten wir uns ganz besonders die Bedeutung der zionistischen Bewegung vergegenwärtigen. Das gesamte Iudentum muß endlich zur Besinnung gelangen, daß nur die zionistische Bewegung es aus der Not zur Geulah bringen kann durch Palästina und durch Monistisch geleistete Arbeit im Galuth. Dazu gehört viel Mut, unglaublich /lel Energie und durchdachte Arbeitsverteilung innerhalb einer erneuerten 281