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Der jüdische Student · 1932-11-01 · Heft 10 (November 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 10 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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iebt, für eine beschleunigte Entwickelung zum Sozialismus kämpfen zu können. Wäre all dies nicht tragisch, so brauchten wir keinen Zionismus. Doch unsere Tragik steht in keinem Verhältnis zu der des Assimilanten, dessen Persönlichkeit an der ihm bewußt werdenden, ihm aber unerklärlichen Fruchtlosigkeit, ja Schädlichkeit seiner Arbeit zerbricht. In gleicher Weise wie unsere deutsch-politische Haltung bedarf auch unsere innerzionistische Politik einer Revision in dem Sinne, daß die Wirklichkeit unserer Zwischenstellung stärker in Erscheinung treten muß. Es ist richtig, der Nachkriegszionismus ist durch die Wirklichkeit Palästinas entscheidend gegen früher abgegrenzt. Es fragt sich nur, ob der Einfluß Palästinas nicht zu stark geworden ist. Der natürliche Motor der Bewegung ist nicht Palästina, sondern die Galuth. Der Zionismus und die Zionismen sind das Ergebnis der Galuth und nicht von Palästina. Die Judenstaatsdebatte, soweit sie auf der jüdischen Gasse geführt wurde, war letzten Endes eine tragikomische Entfernung von der Galuth, deren Sorge doch nur die wirksame Vernichtung ihrer selbst sein sollte, d. h. die maximale Abwanderung aus der Galuth. Auch der Ichud erscheint unter diesem Gesichtspunkt gefährlich, zumal doch das einzige Argument pro der gemeinsame Weg in der praktischen Arbeit in Palästina, d. h. ein Argument Palästinas und nicht eines der Galuth war. Wir laufen Gefahr, uns unserer Wirklichkeit, die eine andere als die Palästinas ist, zu entfremden. Sie mag nicht gesund sein. Wäre sie es, so brauchten wir nicht Palästina. Und noch ein Drittes, das unsere tragische Zwischenstellung offenbart, sei gestreift: die Frage unserer Lebensform. Man hat das KJV. angegriffen von außen und innen: unsere Lebensform sei reaktionär, unser Leben unjüdisch. ** In der Tat: in der bürgerlichen Lebensform des KJV. sehen wir nicht die zukünftige Gesellschaft vorweggenommen. Doch die Lebensform ist letzten Endes eine Frage der Gesellschaftsordnung. Und unsere Gesellschaftsordnung trägt ein bürgerliches Antlitz. Man kann sich nicht von der. Wirklichkeit losen, will man auf sie, auf ihre Eroberung nicht verzichten. Die Jugendbewegung kann noch, da in sie die Menschen hineinwachsen, bevor sie die Wirklichkeit sehen, ihr eigenes, von ihren Wünschen gebotenes Leben führen. Wir aber stehen im Kampfe mit der Wirklichkeit. Wir müssen, um einen Berührungspunkt zu finden, die Form des Lebens derjenigen, die wir gewinn"a wollen, akzeptieren. Es kommt allein darauf an, diese Formen mit einem snhalt zu füllen, der in die Zukunft weist. Nur hier haben Aenderungen zu -folgen. Unser Sentiment müssen wir zurückdrängen. Und was das Unjüdische unseres Lebens betrifft, so muß die Unüberir:tgbarkeit einer Kultur klar sein. Auch hier unterscheiden wir uns von der '''■'Sendbewegung, deren Lebensbeziehungen nicht so vielfältig sind. Es ''Crrscht die Diskrepanz von Wille und Sein. Aber wiederum: würde sie nicht existieren, so brauchten wir nicht Palästina. Ueberall Widersprüche, Zwiespälte, nichts gesund, nichts normal: Das ist;'aluth, deren Sklaven wir sind. Zwar hat uns das B e w u 3 t s c dieser ''-Javerei zur Hälfte schon aus ihr befreit. Doch die volle Freiheit an nur i']" u ^tina geben. Hier steht das Judentum gemartert, erniedrigt und, wie es 279

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