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Der jüdische Student · 1932-11-01 · Heft 10 (November 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 10 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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scheiterten, als vielmehr an die Tatsache erinnern, daß die Juden überall die Opposition füllen, daß am stärksten ihr Anteil in der Gruppe der Ehemaligen ist. Bei denjenkjen, deren politische Betätigung sich in dem Mitgehen erschöpft, — und das ist das Gros — wirkt die lebhafte Anteilnahme grotesk, bei denen aber, die selbst Politik gestalten v/ollen, ist sie tragisch Bevor wir Opfer dieses Schicksals v/erden, müssen wir hier verzichten. Nur ist die Enthaltsamkeit — und hier führt Marcus ab — nicht ganz durchführbar. Es gibt keine Betätigung, die nicht in irgend einem Zusammenhang mit den nationalen Dingen steht. Es kommt hierbei allein auf das Mehr oder Weniger an. Wir müssen uns der Ausübimg gewisser Rechte enthalten, die in allzu starker Beziehung zu dem deutschen Menschen stehen. Eine klare Abgrenzung ist nicht möglich. Und so erhellt, daß ein Galuthnationalismus hier in Deutschland auf die Dauer nicht haltbar ist. Wenn wir auf die Ausübung gewisser Rechte verzichten, so erschüttern wir durchaus nicht unsere Stellung als gleichwertige Staatsbürger. Der CV. versucht mit seinen Denunziationen, deren Häufigkeit mit der Abschwächung des Druckes von außen wieder steigen wird, dem deutschen Volke einzureden, wir seien Staatsbürger zweiten Ranges. Wir, die wir uns der Andersartigkeit, und damit auch der Besonderheit der Würde und des Adels unserer Gemeinschaft bewußt sind und daraus menschliche Verpflichtungen herleiten, sollen für den Staat weniger wertvoll sein als jene Antiziomst^n, die, um zu gefallen und geduldet zu werden, zu jedem Opfer des Intellekts und der Persönlichkeit bereit sind. Aus der Anschauung, daß die Eigenart und Staatsbürgerqualität zwei Phänome . sind, ergibt sich, daß wir nicht jeden Staat vorbehaltlos anerkennen können. Wir lehnen den Staat ab, der zur Richtschnur seiner Innenpolitik den Gedanken der Identität von Volk und Staat nimmt. Und wenn dieser Gedanke des Nationalstaates heute wieder an Boden gewinnt, ja auch in unseren Kreisen, so ist das Ausdruck eines verständlichen Willens, mit der Entwicklung Schritt zu halten, aber auch Ausdruck mangelnder Unterscheidungsfähigkeit, welches fortschrittliche und welches rückschrittliche Entwicklung ist. Wir bejahen den Staat, der seine Aufgabe darin sieht, jeder Gruppe die Möglichkeit freier Entfaltung zu geben, der die Gleichberechtigung der Gruppen anerkennt. Wenn wir innerhalb eines solchen Staates uns der Ausübung gewisser Rechte enthalten wollen, so verzichten wir nicht auf unsere Stellung aB gleichberechtigte Staatsbürger. Hierauf haben wir den gleichen Anspruch, den jeder hat, der in einem Lande seit längerer Zeit wohnt und dort auch-sein Leben gestalten will. Das volle staatsbürgerliche Recht verlangen wir nicht um der Deutschen, sondern um unseretwillen. Wenn wir diese Rechte fordern, auf ihre Ausübung zuwaüen aber verzichten, so ist das unsere Sache. Wir verzichten, weil in Deutschland die jüdische Gruppe im Verhältnis zur deutschen Mehrheitsnation, deren Recht auf entscheidende Beeinflussung des Staates wir anerkennen, zahlenmäßig so gering ist, daß sie 211 einer wirksamen Einflußnahme nicht imstande ist und jeder Versuch hierzu nur die Spannung erhöhen muß. Der Verzicht ist unsere Sache. Er ist auch unsere Tragik. Es ist z. B. föf einen Sozialisten wirklich schwer zu leben, ohne an dem Orte, in dem ef 278

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