Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 10 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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}ung und gutem Vorwärtskommen. Besonders imposant erscheint die Zahl: 92 Pardessanim, auf die nach der Statistik 781 landwirtschaftliche Arbeiter kommen sollen. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, muß gesagt werden, daß die letztere Zahl viel, viel größer sein könnte. Auch in Hederah ist das die Atmosphäre vergiftende Problem der „jüdischen Arbeit" noch weit davon entfernt, irgendwie einer einigermaßen befriedigenden Lösung näher geführt zu sein.' Neben einer ziemlich großen Anzahl Wirtschaften rein arabischer Arbeit, stehen 44 Wirtschaften mit insgesamt 40 jüdischen Arbeitern, die aber in Wirklichkeit keine Arbeiter, sondern Aufseher auf arabische Arbeiter sind. Hur 3—5 Wirtschaften halten auch jüdische Arbeiter außer den Aufsehern; aber auch bei diesen" weißen Raben ist der Anteil der jüdischen Arbeit weit entfernt von 50 Prozent (bis auf 1 Ausnahme). Es gibt im Hederahbezirk nur eine relativ kleine Anzahl wirklich zionistisch gesonnener, kleinerer Pardessanim, die rein jüdische Arbeit aufweisen können. Arbeitgeber großen Stils für jüdische Arbeit gibt es nur 3: 1) Die unter dem Einfluß der A.P.C. stehende Agudatfuha-Netaim (70 Prozent Juden), die unter Awraham Labsowski stehenden Pflanzungen und die Jaffa Plantations. Kein Wunder, wenn die Arbeitslosigkeit die meiste Zeit des Jahres 1—200 Arbeiter ergreift, trotzdem Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden ist. Ein trauriger Zustand, besonders für so eine ausgesprochen wohlhabende Moshawah und eine interessante Beleuchtung der Zahl 781 : 92. Ebenso traurig sind die politischen Verhältnisse der Moshawah. Wahlrecht haben nur die Besitzenden; wer kein Land hat, ist ausgeschaltet. Schreiber dieser Zeilen z. B. seit 8 Jahre an schwerster und verantwortungsvollster Stelle als Arzt tätig, hatte bisher kein passives oder aktives Wahlrecht! Da zeigt sich die so befehdete englische Regierung viel einsichtsvoller; deren Wahlrechtsvorschläge sind direkt liberal im Vergleich zu unseren reaktionären Zuständen. Dementsprechend ist auch die Zusammensetzung der „Moazah". (Stadtverordnetenversammlung.) Unter den 15 ihrer Mitglieder ist auch nicht ein einziger, der etwas anderes als Ikar ist und nicht ein einziger, der den Standpunkt der jüdischen Arbeit einnimmt. Dementsprechend sind auch die dort gefaßten Beschlüsse eine ganz einseitige Interessennahme zugunsten einer sehr kleinen Minderheit- Diese Verhältnisse werden sich allerdings in Kürze ändern, da die Landesregierung dabei ist, ein Gemeindegesetz zu erlassen, das weiten Kreisen Wahlmöglichkeiten gibt; das wird diese unhaltbaren Zustände schlagartig zerbrechen. Noch ein Wort über das kulturelle Leben der Moschawah. Es ist sehr re2e, besonders im Winter. Da strömen aus allen Gegenden Palästinas Menschen hierher zusammen, um sich beim „Katif" (Apfelsinenpflücken) zu beteiligen; meist jüngere Elemente, die auch Vergnügen und Zerstreuung haben Sollen. So gibt es in dieser Zeit eine Menge Veranstaltungen: Tonfilm, Vorläge, Konzertabende, Habimah, Ohel, Kabarett, Neschafim — kurz, es ist n]eht langweilig in dieser Zeit und von „Dorfleben" ist keine Spur. Diese ^nge sind ganz in den Händen der Arbeiferschaft, die aus eigener Initiative °men ca. 1000 Personen fassenden Saal unter großen persönlichen Opfern Sebaut hat, der übrigens einen neuen Steinway-Flügel hat und somit Gelegenheit zum Genießen der schönsten Konzerte gibt. In diesem Jahr war sogar ein ^rio zustande gebracht, das eine Anzahl von Trios, Klavier- und Cello- 273