Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 10 (November 1932)
- Date
- 1932-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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fertiggestellt sind. Vermerkt sei noch, daß die Kolonie 32 öffentliche Gebäuae hat, im ganzen 860 feste Gebäude wie Ställe, Speicher, Wohnbaracken usw. Vermerkt sei ferner, daß die neuen Häuser durchaus stilvoll und mit allen nur denkbaren großstädtischen Bequemlichkeiten gebaut sind, so daß sie sich in jeder Beziehung mit denen auf der Werkbundausstellung in Wien gezeigten messen können. Interessant ist, wovon die Menschen leben .und wie die Bevölkerung beruflich zusammengesetzt ist. An erster Stelle stehen natürlich die landwirtschaftlichen Berufe (Ikarim und Pardassantm) mit nur 92 Menschen; an zweiter die landwirtschaftlichen Arbeiter mit 781; dann kommen die Bauleute mit 56, die Zimmerleute mit 47 usw.- Aerzte gibt es 4, ebenso 4 Zahnärzte, oder richtiger 3 Dentisten und 1 Zahnärztin. Krankenschwestern 3, Hebammen 2, Apotheker 2, Veterinäre 2. (Das medizinische Fach ist also — milde ausgedrückt — gut besetzt.) Noch eine wichtige und charakteristische Zahl: Kaufleute aller Arten 49. Bei 42 Läden gibt es in 19 Kolonialwaren; außerdem gibt es eine modern eingerichtete Druckerei und 9 Gasthäuser; natürlich sind alle andern Handwerker und Berufe, Schneider, Schuster, Schlosser, Schmiede, Sattler, Stellmacher usw. vertreten, meist reichlich. Noch ein Wort über die Pardessanim. Bis zu 10 Dunam Pardeß besitzen 15 Leute, Yon 10—25 Dunam 31, von 25—50 Dunam 12 und über 50 Dunam 15. Letztere besitzen etwa doppelt soviel Pardessim als alle vorhergenannten zusammen. (Latifundienbildung.) Einen kleinen Einblick in das geistig-kulturelle Getriebe der Kolonie gibt der Ueberblick über die „Kultur- und Erziehungsinstitutionen" auf S. 12. Da wird erwähnt 1) Gemeindeschule 8 Klassen, 7 Lehrer, 150 Schüler; 2) Yemenitenschule, 2 Lehrer, 67 Schüler; 3) religiös geleitete Schule „Tachkemoni"; 4) Gemeinde-Kindergarten, 2 Kindergärtnerinnen, 65 Kinder; 5) Yemeniten- Kmdergarten, 1 Kindergärtnerin, 22 Kinder; 6) Kindergarten der Arbeitersiedlung ,.Brandeis", 1 Kindergärtnerin, 20 Kinder; 7) Kindergarten der Kaduzah „Gea-Schunnel", 1 Kindergärtnerin, 18 Kinder; 8) Kindergarten des „Vereins arbeitender Mütter", 2 Kindergärtnerinnen, 25 Kinder — zugleich Tageshort; 3 verschiedene Bibliotheken, 3 Kulturkommissionen und 2 Zeitungsfilialen. Um das Bild zu vervollkommnen, seien noch einige Institutionen angeführt: Kupat Holim der Arbeiter (775 Mitglieder), Kupat Holim der Moscha\cah (65 Mitgl.), Kupat Holim der Yemeniten (60 Mitgl.). Ferner 4 Korporationen (Verkauf landwirtschaftlicher Produkte; Apfelsinen; eine Konsumgenossenschaft, die gut floriert; die „Chauffeurgemeinschaft", die für fast 10 000 Pfund Autos besitzt und führt). Dazu kommen noch 2 Spar- und. Leihkassen, von denen die erste 2000 £ Reservefonds hat und ebensoviel Beiträge der 610 Mitglieder; der Geldumlauf beträgt ca. 116 Millionen Pfund im Jahre! Die Leihkasse der Arbeiter ist noch neu und kann nicht mit solchen Zahlen aufwarten; jedoch entwickelt auch sie sich sehr erfreulich und konnte den Bau von über 50 Häusern der Arbeiter anregen oder fördern. Als allerletzte und jüngste Errungenschaft sei die „Mütter- und Säuglingsfürsorgestelle" des „Vereins der arbei- tenden Mütter" genannt, die durch ihre geschmackvollen Einrichtungen und ihre segensreiche Tätigkeit den größten Eindruck auf alle Besucher mach*. Diese nüchternen Zahlen- und Tatsachenangaben geben ein ungefähres Bild dessen, was man sich so unter einer jüdischen Kolonie vorstellen kann- Und darüber hinaus hat man den deutlichen Eindruck von Leben, Entwick- 272