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Der jüdische Student · 1932-11-01 · Heft 10 (November 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 10 (November 1932)
Date
1932-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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trifft es bei vielen zu, daß sie glauben, «ich mit der Zahlung der K.H.- und sonstigen zionistischen Beiträge von ihrer Verpflichtung als Zionisten und KJVer losgekauft haben. Aber ich glaube, daß dies bei der Mehrzahl doch nicht der Fall ist, daß bei ihr vielmehr doch die innere Bereitschaft,, von der ich sprach, vorausgesetzt werden darf. Warum sind dann aber alle früheren Bemühungen .um Aktivierung im großen Ganzen erfolglos geblieben? Vielleicht waren die Mittel, deren man sich bediente, nicht ganz die richtigen. Man machte im Grunde immer wieder dasselbe: Man lud die Altherrenschaft zu einer Veranstaltung in größerem oder kleinerem Kreise, beschimpfte sie wegen ihrer Untätigkeit oder redete ihr gut zu, etwas zu tun; bestenfalls gab man Anregungen, indem man den Anwesenden einen Katalog dessen vor Augen führte, was alles zionistisch getan werden könne und müsse. Alle fühlten sich getroffen; alle erkannten die Berechtigung der Kritik an der Altherrenschaft an. Dann ging man auseinander und alles blieb beim Alten. Die Teilnehmer der Veranstaltung hatten vielleicht nur noch eine Zeitlang ein noch schlechteres Gewissen. Wo lag der Fehler? Um die Möglichkeiten zionistischer Arbeit erkennen zu können, die nicht gerade, wie etwa die Arbeit für die Fonds, auf der Hand 1 igen, und vor allen Dingen um neue Arbeitsgebiete und die Stellen, wo Mitarbeiter fehlen, zu finden, muß man Fühlung zu dem haben, was an den bestehenden Stätten zionistischer Arbeit schon von anderen getan und geplant wird. Diese Fühlung fehlt aber gerade den Untätigen. Wenn man daher bei den A.H.-Veranstaltungen der früheren Art häufig dadurch Erfolge zu erzielen versuchte, daß man detailliert aufzählte, wo zionistische Arbeit not tat, so lag darin etwas Richtiges. Wenn trotzdem die AH. A.H. in ihrer Mehrzahl von den aufgezeigten Möglichkeiten keinen Gebrauch machten, so hat das offenbar daran gelegen, daß die meisten Menschen auch bei innerer Bereitschaft zum Tun nicht aus sich heraus im Stande sind, sich einer Aufgabe zu bemächtigen, sei es aus mangelnder Initiative, sei es aus Mißtrauen in die eigenen Fähigkeiten. Hieraus folgt: Der Fehler der früheren Methode wird wohl darin zu sehen sein, daß man die Masse der Altherrenschaft vor die Masse zionistischer Arbeit stellte und erwartete, das würde genügen, um den einzelnen aus der Masse zu veranlassen, sich aus der zur Auswahl vorgeführten verwirrenden- Fülle von Aufgaben die für ihn Passende zu wählen. Man müßte es einmal anders versuchen. Man sollte einmal die einzelne, ganz konkrete und bestimmt umschriebene Aufgabe an den einzelnen Bundesbruder, den man für sie geeignet hält, herantragen und ihm damit die Qual der Wahl abnehmen; man sollte mit diesem einzelnen verhandeln und seine ungenügende eigene Initiative durch individuelles Anspornen ausgleichen. Ich glaube, daß dadurch Vlel erreicht werden kann. Ich habe gerade auch während meiner Tätigkeit lni jetzigen Präsidium wiederholt erlebt und beobachtet, daß es auf diese Weise möglich war, Bundesbrüder, die lange Zeit untätig waren, wieder, zur Mitarbeit heranzuziehen. Was bisher in einzelnen Fällen gelegentlich mit Hrfolg versucht worden ist, sollte nunmehr einmal systematisch in Angriff genommen werden. Um es mit einem Schlagwort zu sagen: Von dem Versuch 2ur Reaktivierung der Altherrenschaft sollte zu dem Versuch der Reaktivierung einzelnen A.H. übergegangen werden. 269

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