Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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gesehen hatte. Und wiederum wares die Arbeiterschaft, die endlich der Exekutive diejenigen Maßnahmen abnötigte, die nicht nur zurUeberwindung jer Arbeitslosigkeit, sondern zugleich zur neuen Kolonisation im westlichen pmek führte. Und so blieb es in den Jahren, als die Arbeiterschaft von der Leitung ausgeschlossen war. Sie verhinderte das Zusammenbrechen des ganzen Kolonisationswerkes, das die unvermeidliche Folge des " Systems von Sacher gewesen wäre, wenn es sich hätte auswirken können.' Sie antwortete mit unbeirrbarem 'politischem Instinkt auf die Augustunruhen nicht mit hysterischem Geschrei und nicht mit Kapitulationsvorschlägen, sondern mit der zionistischen Forderung verstärkter Einwanderung und Neuaufnahme der Kolonisation, Forderungen, die trotz des finanziellen Zustands in der Organisation in gewissem Ausmaße verwirklicht worden sind und verwirklicht werden. Das ist nur die eine, kolonisatorische Aufgabe der Histadruth. Die Entwicklung ihrer gewerkschaftlichen Arbeit soll hier nicht nachgezeichnet werden. Wer die Tatsachen liest, wird erkennen, daß der Kampf der Histadruth für die besseren Arbeits- und Lebensbedingungen des jüdischen Arbeiters, für die Durchsetzung der indischen Arbeit' in der Pflanzungskolonie usw. stets zu gleicher Zeit die Interessen der Arbeiterklasse und die ^es Aufbauwerks vertrat, nicht auf Grund opportunistischer Kompromis-se, sondern wegen der Identität Wider Interessenlagen. Das Buch von Bbr. Preuß wird daln beitragen können, unsere Bundesbrüder geistig Palästina näher zu fingen, und wird gleichzeitig ein In- 5trument jener politischen Meinungsbildung sein, von der bei uns soviel gesprochen wird, und die nur eins bedeuten kann: Studium und E n t - Scheidung. Fritz Loewenstem. Exemplare zum Preise von Mk. 1,25 sind im Büro des K.J.V. zu erhalten. Wir bitten die Verbindungen um Mit» teilung, wieviel Exemplare benötigt werden. Eine neue Jüdiscfie Gediidite. Zu Bbr. Elias Auerbachs Geschichtswerk. Auch das Geschichtsbild ist, du mußt schon verzeihen, lieber Gotthold Ephraim, ein Stück (vergangener) Natur, gesehen durch ein Temperament. Viele Historiker und solche, die sich so nennen, wollen das nicht wahrhaben und halten ihre Disziplin im Ernst für nichts als Wissenschaft; indes dieser Begriff bestenfalls doch nur für einige der historischen Untersuchungsmethoden, für manche chronistische, archivalische, archäologische, geographische, philologische Vor- und Hiifsarbeiten zutrifft, die aber auch mindestens ebensoviel interpretieren wie feststellen. Die eigentliche Geschichtsschreibung ist viel mehr eine künstlerische Betätigung, als daß sie Anspruch auf exakte Ergebnisse, auf objektive Nachprüfbarkeit und wissenschaftliche Allgemeingeltung erheben darf. Besonders schlimm, um nicht zu sagen: hoffnungslos, liegt der Fall für die altisraelitische Geschichte. Der bis ins 18. Jahrhundert rein theologisch eingenebelten, dogmatisch gebundenen, frommen bibelmäßigen Darstellung folgte .im 19. Jahrhundert ein rationaler Radikalismus, der schon mehr skeptizistisch als kritisch war. Das lag an dem verworrenen biblischen 259