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Der jüdische Student · 1932-10-01 · Heft 9 (Oktober 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 9 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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Bedeutung nahen sollten, die unserem Kulturkreis entstammen und deren Sprachrohr die hebräische Sprache ist. Wir vergessen, -daß keine Uebersetzung der Welt im Stande ist, uns wiederzugeben, was unser Original uns sagt Denken wir nur an die Bibel. Was die Bibel, unser eigenstes Buch, unsere erste Geschichte, uns bedeutet, wird jeder begreifen, der Auerbachs „W-üste und gelobtes Land" liest. Er wird auch begreifen, wie wenig uns eine Uebersetzung geben kann, sei es selbst die Uebersetzung Bubers, deren Gehalt erst der wird würdigen können, der das Original dagegenhält. (Ich kann nicht glauben, daß, wer auch immer, Bubers Uebersetzung versteht, wenn .er nicht die Bibel im Original lesen kann.) Wir wissen nicht zur Genüge, daß es eine neue hebräische Literatur gibt, in der — denken wir an die Haskalahzeit in Rußland — die Wehen und Kämpfe ihren Ausdruck finden, aus denen der Zionismus entstand, die so ein Kulturdokument von unschätzbarem Wert für uns darstellen; wir wissen zu wenig von der neuesten Literatur unserer Dichter und Schriftsteller, die wir ohne Bedenken den Großen Deutschlands an die Seite stellen können, deren Werke zu kennen für uns Ehrensache ist. Wir wissen zu wenig, welches große Gut niedergelegt ist in Talmud, Midrasch, philosophischer und poetischer Literatur, die ihren Höhepunkt im mittelalterlichen Spanien erreichte, wir kennen gewöhnlich Maimonides, Gabirol und Juda halewi nur dem Namen nach. Wie können wir da ahnen, was hebräische, was jüdische Kultur wirklich bedeutet! Und doch müßten wir uns darüber klar sein, daß wir auch in Erez nichts völlig Neues schaffen wollen, losgelöst von jeder Vergangenheit, sondern Fortsetzer sein müssen, nur Glieder einer großen, sich durch die Zeiten hinziehenden Kette, die den Namen Judisches Volk trägt. Welches Recht als Volk hätten wir, wenn wir selbstherrlich würden und unsere Vergangenheit vergäßen! Diese Vergangenheit nicht nur wissen, sondern auch erleben können wir aber erst, wenn wir zu ihren Quellen steigen, nicht durch eine noch so gute Uebersetzung, sondern zu dem eigentlichen Original in hebräischer Sprache. Ich verkenne nicht, daß der Augenblick von uns Zionisten fordert, daß v/ir in der Zeit leben müssen und daß die Anforderungen, die an uns gestellt werden, mannigfaltig sind. Aber alle Leistungen, auch die des Augenblicks, dürfen nicht entwurzelt sein, sondern müssen verwurzelt werden. Dazu gibt es nur einen Weg. Er führt über die hebräische Sprache. So soll unsere Einstellung zur hebräischen Sprache sein. Solche Einstellung ist positiv. Aus dieser Einstellung heraus wird man das Lernen nicht mehr als Zwang empfinden. Man wird nicht mehr versuchen, sich dieses Zwanges zu entledigen; man wird wollen, und dann werden nicht Gegenwartsforderungen, nicht Zeitmangel hindern, das durchzuführen, was man w i 1!• Der Weg vom Beginnen zum Können ist lang; aber auch die Länge der Zeit wird nicht entmutigen. Wenn man zurückdenkt und das gegenwärtige Kartell mit einem früheren vergleicht, so erkennt man, daß nicht nur der Wille, sondern auch die Leistung viel umfangreicher geworden ist. Aber die bisherige Leistung ist nies'1 mehr als ein schwacher Beginn. Wir wollen den Willen jedes einzelnen Bun' desbruders. Wir werden uns bemühen, jedem einzelnen Bundesbruder unser«- Beziehung zur hebr. Sprache klar zu machen. Die Erfahrung hat gezeigt, sich dann nicht nur der Wille einstellt, sondern auch die Liebe zur Sprache, die identisch sein muß mit der Liebe zum jüdischen Volk, 252

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