Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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ßemerkungen, Veföffendictung Jes Berufsressorts. Arbeitsbeschaffung iür Chemiker Von Simon Nathan und Hans Rothschild, Berlin. Es ist in diesen Blättern schon Jes öfteren dargelegt worden, daß es 'rjeute zu den eigentlich selbstverständlichen, im Kartell jedoch leider nicht immer geübten Pflichten der Bundesbrüder gehört, beizutragen zur Erhaltung der wirtschaftlichen Positionen der deutschen Juden. Besonders schlecht ist die Lage der sog. Ange- 5tclltenberufe. Unter diesen sind vor Jlem die naturwissenschaftlichen Berufe durch die Krise hart betroffen. Die andauernde Verschlechterung u'cr Wirtschaftslage und die Zunahme des wirtschaftlichen Antisemitismus lassen es für die Zukunft als beinahe unmöglich erscheinen, auf dem freien Stellenmarkt genügend Unterbrin- '^ngsmöglichkeiten für unsere beschäf- Vungslosen Ingenieure und Chemiker "i schaffen. Diese Erkenntnis hat schon seit längerer Zeit gefaßten i-ntschluß bestärkt, zu kollektiver ^•Ibsthüfe zu schreiten. Wir stellen f'!fien, die Chemiker betreffenden ]>tan zur Diskussion, der wie wir glau- "cn. nicht nur als in unseren Kreisen '■r;£meK, sondern auch als konstrukiVe Idee Aufmerksamkeit heän-?r"chen kann. Im Verband Jüdischer ■•^erüeure und Chemiker in Deutsch- : e. V. (Berlin SW 68, Linden-;raße 48/50), dem zahlreiche Bun- •'^brüder angehören und der in der ';rj>anisation unseres Berufsressorts •° Funktion der Fachgruppe für die ''Sprechenden Berufe übernommen haben wir durch Rundschreiben "n Chemiker unseren Vorschlag °r einigen Tagen bereits bekannt gegeben. Die nachstehenden Zeilen wenden sich jedoch nicht nur an unsere Chemiker, sondern auch an unsere Kaufleute in Unternehmungen der chemischen Branche. Es besteht die Absicht, ein Laboratorium einzurichten und dort einige z. Zt. stellungslose Chemiker zu beschäftigen. Als direkte Mitarbeiter irt diesem Laboratorium kommen u. E.. vorerst nur solche Kräfte in Frage, die bereits längere Zeit in der Industrie tätig waren und über Erfahrungen verfügen. Das Arbeitsgebiet darf nicht wissenschaftliche Forschung» sondern muß vielmehr die Herstellung kommerziell verwertbarer Produkte sein, da das Laboratorium sich möglichst bald selbst erhalten und darüber hinaus sogar einen Gewinn für die Mitarbeiter abwerfen muß. Für eine gewisse Anlaufperiode wird ein Zuschuß notwendig sein. Wenn man annimmt, daß in diesem Laboratorium für den Anfang 5 bis 6 Chemiker Arbeit finden, die sich für einige Monate mit je Mk. 100.— pro Monat an der Finanzierung beteiligen, so scheint der Betrieb des Labors hinreichend gesichert zu sein, zumal sich uns die günstige Gelegenheit bietet, ein vollständig eingerichtetes Labor, zweckentsprechender Größe für eine ganz geringe Miete zu übernehmen. Es bestände die Möglichkeit, daß auch neben diesen Chemikern, die für den Anfang einen Zuschuß leisten, eine kleinere Zahl von weiteren Chemikern als unbezahlte Laboranten.Beschäftigung findet. — Hierbei könnten Anfänger verwendet werden, denen so Gelegenheit geboten ist, den Schritt in die Praxis zu tun. Außer den oben erwähnten direkten Mitarbeitern, die hauptberuflich im Labor, arbeiten, ließe sich auch 253