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Der jüdische Student · 1932-10-01 · Heft 9 (Oktober 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 9 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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mögen wilde Idealisten sein, aber alles, was der Zionismus geleistet hat, hat er nur durch einen wilden Idealismus geleistet. Wie sähe heute Palästina aus, wenn wir nicht die Unmöglichkeiten möglich gemacht hätten! Es kommt auf den Willen an, und unser Wille wird bestimmt von den Einstellungen, die wir den Dingen gegenüber haben, die wir in Angriff nehmen. Da fragen wir: Was bedeutet die hebräische Sprache für uns? Diese Frage wird verschieden beantwortet werden. Wir wollen uns klar darüber sein: Hebräisch ist für uns Palästina, Hebräisch ist aber auch für uns Kultur, Volk, Leben. Wir dürfen Hebräisch nicht lernen wie Englisch oder Französisch, nicht als „Kellnersprache", nicht aus bloßem Opportunismus. Sonst geschieht es wie bisher, daß die, die nach Erez gehen, in der letzten Zeit mit kläglichen Anstrengungen ein Reiseführerhebräisch lernen, das ihnen nie eine wirkliche Kenntnis vermitteln wird, während die, denen eine Palästinaaussicht verschlossen ist, im Gefühl des Unnotwendigen, also Ueberflüssigen, nicht lernen werden. Hebräisch ist unsere Kultur. Unsere Geschichte beginnt nicht, wie man in Fuchsenstunden manchmal glauben könnte, erst mit der Emanzipation. Unsere Geschichte beginnt mit der Bibel. Unsere Geschichte ist auch nicht Geschichte von Kriegen und Kämpfen, sondern im wesentlichen, auch als Geschichte des Volkes, Geschichte der Kultur dieses Volkes. Unsere Kultur hat ihren Niederschlag gefunden in dem durch die Schrift überlieferten Gut. Wir sind nun einmal ein Volk des Buches. Emanzipation und Assimilation, die vorletzten Ausläufer unserer Geschichte, haben das hebräische Wort verdrängt. Diese Epochen haben aber Zersetzungserscheinungen hervorgerufen, die letzten Endes zur Auflösung führen müssen. Dem hat der Zionismus Erhaltung und Aufbau entgegengestellt. Der Zionismus fand seine Verwirklichung in Erez Israel. Dort erstand von Neuem das hebräische Wort zum Leben. Aber auch dort ist es mehr als nur gesprochene Sprache. Auch dort wieder ist es Sprache der Schule, des Theaters, der Literatur, ist so wieder Ausdruck unserer gesamten Kultur. Unsere Beziehung zu Erez darf nicht nur Beziehung zum Boden allein sein, hs muß auch Beziehung sein zu dem Leben auf diesem Boden. Dieses Leben beschränkt sich nicht auf landwirtschaftlichen und handwerklichen Aufbau. Es ••ird regiert von dem Geiste, und der Geist findet seinen Ausdruck in der Sprache. Der Mittel der Sprache beraubt zu sein, bedeutet, der Möglichkeit tsner geistigen Beziehung beraubt zu sein. Wir sind wesentlich durch alle ^'iten ein Volk des Geistes geblieben. Heute bauen wir mit unseren Händen^ •^cr dennoch sind wir das Volk des Geistes geblieben. Wir wollen Anteil '"^'Hmen am Leben von Palästina. Welchen Anteil können wir hier in Galuth •"-'hinen, wenn nicht vorwiegend geistigen? Wie können wir geistigen Anteil j-'-hmen, wenn wir den Ausdruck des geistigen Lebens und Schaffens, die brache, nicht beherrschen! Wir nehmen Anteil am geistigen Leben Deutschlands, mit dem wir natur-; °^vendig kulturell verwachsen sind. Wir kennen die deutsche Literatur, wir er* die Werke deutscher Schriftsteller, wir gestalten in diesem Lande selbst ^deutscher Sprache, in letzter Zeit gerade Werke, die in den Rahmen jüdi- , *' -r Kultur fallen (Krojanker, Kastein, Auerbach u. a. unserer Bbr. Bbr.J, nnen lateinische, französische und englische Literatur, aber wir denken nicht ''nu3end daran, daß es trotz allem Werke gibt, die für uns mindestens solche 251

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