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Der jüdische Student · 1932-10-01 · Heft 9 (Oktober 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 9 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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v^ir Diskussionen geschickter," schlagfertiger und schlagkräftiger führen würden, -wenn unsere Veranstaltungen und Kurse attraktiver, aktueller, interessanter und unsere Bundesbrüder beweglicher, erfahre-ner, gewandter wären. Aber das alles sind unsere selbstverständlichen Forderungen an uns und unsere Verbindungen und auch in der Praxis immer nur unvollkommen erfüllbare, und wenn sie ideal erfüllt würden, es könnte unser Gewicht in unserer Umwelt nicht entscheidend ändern, nicht im entferntesten die Chancen ausschöpfen, die uns im deutschen Judentum heute geboten sind. Denn unsere Keilmethode ist den heutigen Gegebenheiten nicht gewachsen. Sie ist die Methode einer vergangenen Zeit. Sie setzt den, meist erstsemestrigen, Studenten voraus, der die Sehnsucht nach einem Kreis, nach einer Bindung und den Willen zu einer gewissen Allgemeinbildung, also Zeit und Lust und den genügend sorglosen und doch geistig interessierten Kopf hat, um lange, schwere Diskussionen zu führen, in denen er wirklich nachdenkt und umdenkt, der sich also im Politischen noch nicht restlos festgelegt hat, — und, last not least, eine Fülle von tüchtigen KJVern, die für die Diskussionen eine. Fülle von Zeit und Freudigkeit aufbringen. Diese Voraussetzungen sind in hohem Maße — am wenigsten trifft dies für die vorletzte zu — auch heute noch in den sogenannten Sommeruniversitäten gegeben. Fern vom Elternhaus» also im glücklichen Verfügungsrecht über alle Abende der Woche, im ersten Semester noch nicht zu fleißig und oft allgemein-bildungshungrig, etwas gelockert und offener als sonst allen möglichen Einflüssen gegenüber, ist man, eher als in der Großstadt, zu Haus, geneigt, zu einer Verbindungsveranstaltung zu gehen, unbekannte Menschen kennenzulernen, weniger abgeneigt, sich mit ihnen diskutierend und sich mitteilend Nächte um die Ohren zu schlagen —- und sich in der sechsten Nacht aktiv zu melden. Deshalb haben wir dort, wenn die Verbindung gerade gut ist, die guten Keilresultate. Mehr und mehr schwinden diese Voraussetzungen. Die Masse der jüdischen Studenten, wie der Juden überhaupt, ballt sich in den Großstädten, in denen ihre Eltern leben, besonders in Berlin, zusammen. Das Geld zum „Draußen"- Mudieren, damit die Zeit größter seelischer und wirtschaftlicher Freiheit, fehlt Jen meisten. Die Anforderungen des Studiums, des Gelderwerbs werden immer •jößere, die Peitsche der schlechten Berufs-Aussichten, zumal der Juden, »nimer heftiger. Man kommt viel seltener zum Nachdenken über sich, und fast nic, selbst wenn die seelisch-geistige Bereitschaft dazu da ist, zum Umdenken seiner Ueberzeugungen. — Aber meist ist diese Bereitschaft ja gar nicht mehr Es ist doch heute leider so, daß jeder halbwegs geistig, und vor allem politisch, interessierte Junge, bereits viel früher als mit 18, 19 Jahren, gewissermaßen wie einen Stempel, eine „Weltanschauung'* empfängt, die er dann hat", — in Wirklichkeit hat sie ihn —, von der er nur noch sehr schwer sich loslöst, daß er zu anderen Willensregungen und damit zu anderen Zielen " Linien kann. — Wir alle kennen diese Leute, die, wenn wir sie werben, Jrion längst Kommunisten, Sozialisten (in dem assimilatorischen Sinne), ■ l^kaldemokraten, C.V.er, Kameraden, Gersonianer oder falsch verstehende kerianer, Jüdisch-Indifferente, häufig „Zionistisch-Jugendbewegte", oft aber!°h „Naturschüler", „Kalenderreformer", Anhänger der „Technik'* (als Reiniger Weltanschauung), Skeptiker oder auf anderen Wegen restlos Festicfahrenc sind, 247

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