Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1932)
- Date
- 1932-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Heute ist es z. B. so, daß uns ein Bericht einer Stadt A. vorliegt, in dem geklagt wird, daß von einem Jugendseminar in der 60 km entfernten Nachbarstadt B. nichts bekannt geworden ist, und daß diese Stadt B. uns schreibt, daß noch nicht einmal die Namen der Ortsgruppenvorsitzenden der Nachbarstädte dort bekannt seien, so daß die Ortsgruppe sich völlig isoliert fühle- Diese} beiden Berichte, die uns infolge der Aussprache in der Arbeitskommission zugingen, beweisen geradezu erschütternd, daß die bisherige Organisation eher einer alle willigen Kräfte lahmlegenden Desorganisation gleicht. Infolgedessen ist es bisher nicht möglich gewesen, sich um kleine Städte zu kümmern, die keine Ortsgruppe bilden können. Wenn oben gesagt wurde, daß der GA sich in seinem Ort mit der gesamten zionistischen Arbeit befassen muß, so verstehen wir neben Gemeindepolitik und verschiedenem anderen auch das darunter, daß Jugendbünde und Parteien lernen, ihre Arbeit unter dem Gesichtspunkt des Ganzen zu sehen. Gerade das hat sich in Essen als so fruchtbringend erwiesen, daß die Jugend sich eingeordnet fühlt in unsere großen Pläne. Sie ist dadurch nicht gehemmt worden, wie vielleicht manche Bundesleitung noch fürchtet, sondern bereichert, sie ist aus ihrer Isolierung befreit worden und mit ihr mehr und mehr die Erwachsenen. Denn jede Aktion, jedes Fest, jede Maßnahme wird erst im GA beraten, wo die älteren Jugendlichen mit den Erwachsenen in voller Gleichberechtigung und Gleichverantwortung sitzen. Und von dort wird der Gedanke hinausgetragen zu allen Interessierten. Bei den Beratungen der Arbeitskommission spielte die Frage eine große Rolle, ob man intensiven Zionismus oder extensiven „schweren oder leichten" propagieren solle. Von Breslau wurden Unterhaltungsnachmittage auf zionistischer Grundlage für die Massen geschildert, von Chemnitz u. a. die gesprochene Zeitung befürwortet. Wir glauben, daß alle diese -Mittel sehr gut sind, einen weiteren Kreis in einer zionistischen Atmosphäre zu halten. Dem Gedankengang von B. Weiler-Saarbrücken kann ich mich nicht anschließen, wenn er ausführte, daß er von der unfruchtbaren Massenarbeit auf die richtigere Kleinarbeit mit höchstens 12 bis 15 Menschen gekommen sei, sondern beides, Massenarbeit und Kleinarbeit ist notwendig. Der Zionismus will das jüdische Volk, also kann er sich nicht auf einige Wenige beschränken. Aber ausgeführt haben immer nur wenige solch ein Werk, und deshalb müssen wir sie besonders organisieren. Zum Schluß fügen wir noch den ersten Essener Entwurf der Grundlagen emes Gdud Awodah an. Er kann sicher noch verbessert werden, gibt aber doch die Grundzüge klar wieder. GDUD AWODAH, Die fortschreitende Zersplitterung der zionistischen Organisation, die Schwächung des Judentums in der Galuth durch Wirtschaftskrise und feindliche Umwelt machen den Einsatz einer entschlossenen, nach einheitlichem Plan arbeitenden Schar zur Sicherung der ideeilen und materiellen Galuthreserven für den Aufbau von Erez Israel notwendig. Eine solche Schar ist der Gdud Awodah. 2- Gdud Awodah erstrebt die Erhaltung alier wichtigen Galuthpositionen und ihre Einordnung in das Aufbauwerk. Die Arbeit für die nationalen Fonds ist erste Pflicht. 237