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Der jüdische Student · 1932-10-01 · Heft 9 (Oktober 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 9 (Oktober 1932)
Date
1932-10-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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pas Buch, in dem diese Sätze stehen, ist nicht ein Erzeugnis der vor Herz! bestehenden zionistischen Strömungen, sondern die Denkschrift zu dem Entwurf einer Verordnung, die Verhältnisse der Juden betreffend. Verfasser sind z^ei Mitglieder des damaligen königlich preußischen Staatsministeriums. Das noch heute bestehende preußische Judengesetz vom Jahre 1847 wollte nämlich üb Entwurf nicht bloß die religiösen, sondern auch die nationalen Kräfte de» Judentums erhalten und fördern. Es sollten daher nicht SynagogengemeincJen, sondern Judenschaften gebildet werden, die das korporative Leben sich entwickeln lassen, ohne daß es irgend der bestehenden politischen und bürgerlichen Ordnung nachteilig werden könnte. Wenn der endgültige Gesetzestext erheblich anders herausgekommen ist, so lag das an den zumeist adligen Herren des vereinigten preußischen Landtages, die sich wiederum auf ihnen von jüdischer Seite zugegangene Eingaben und Broschüren beriefen. Bei der Lektüre der damaligen Landtagsverhandlungen muß man noch zufrieden sein, daß kein schlimmeres Wort als Synagogengemeinde herausgekommen ist. Denn vorgeschlagen wurden auch „Jüdischer Kultusverein", „Jüdische Kirche**, „Mosaischer Verein", ohne daß der Bericht „stürmische Heiterkeit" verzeichnet. Die noch vorhandenen Denkschriften jüdischer Verfasser, auf die sich die Mitglieder des preußischen Landtages beriefen, lassen eine bedenkliche geistige Einstellung erkennen. So heißt es in der einen Schrift, daß die Voraussetzung einer besonderen Nationalität ein besonderes Vaterland sei, dies hätten die Juden aber nicht und würden es auch nie bekommen. Der Verfasser fährt dann wörtlich fort: „Denn wie leicht und gern sich auch der Jude illusorischen Hoffhungen hingibt: so exzentrisch hofft kein Jude, daß er erwartete, er oder seine- Nachkommen werden jemals in den Besitz von Palästina gelangen können." So kam es, daß im vereinigten preußischen Landtag von 1847 nur ein einziger Abgeordneter den Gesetzentwurf der Regierung unterstützte: der polnische Fürst Radziwill, gleichzeitig der einzige, der selbst einer nationalen Minderheit angehörte. Das Verhalten der preußischen Juden bei dieser Gelegenheit und das Verhalten der gesamten deutschen Juden in anderen Fällen pflegen wir als Assimilationserscheinungen des 19. Jahrhunderts zu bezeichnen, von denen der Zionismus angeblich befreit. Dubnow spricht von einem nationalen Marranen- Uim. „Gleich wie im mittelalterlichen Spanien unter dem Drucke der einen und unteilbaren Staatskirche das religiöse Marranentum entstanden war, trat nämlich jetzt unter dem Drucke der Idee der einen und unteilbaren Staatsnation das nationale Marranentum in Erscheinung, d. h-, das Bestreben, die Maske der herrschenden Nation anzulegen. Konnten die Marranen des Mittelalters zu ihrer Rechtfertigung auf die Schreckensherrschaft der Kirche und die von dieser inaugurierte Inquisition verweisen, so ist auch dem nationalen Marranen der jüngsten Zeit als mildernder Umstand die Tatsache anzurechnen, daß sie infolge des in Deutschland so nachhaltig wirkenden Assimilationsprozesses die von ihnen getragene Maske der fremden Nation kaum noch von ihrem eigenen Gesicht zu unterscheiden vermochten." unserer an Schlagworten so reichen Bewegung hat der Ausdruck „natiessales •''^rranentum" trotz seiner glücklichen Formulierung leider keine Verbreitung Kunden. 231

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