Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Ihre Tagungen dienen vielmehr als Veranstaltungen, die die Geschlossenheit, die Verbundenheit des einzelnen mit dem Ganzen dartun sollen. Es ist .im allgemeinen ein gewagtes Unterfangen, geistige Erscheinungen aUf andere Zusammenhänge anzuwenden, als sie gewollt sind. Hier soll jedoch auch nicht ein einfaches Uebernehmen oder Imitieren propagiert werden. Sondern organisatorische Prinzipien, die bei einem Vergleich der besten Organisationen überall sich wiederfanden und also der erfolgreichen Organisation, unserer Zeit insbesondere, schlechthin eigenen, sollten herausgestellt werden, interterritoriale und religiöse Organisationen, klassenmäßig gebundene und nationale Bewegungen haben trotz der Verschiedenheit ihrer Menschen gemeinsames ausgesagt über die Art, sich zu organisieren. Auch ein eigensinniges Volk, wie die Juden, dessen starke Eigenschaft heute nicht in der Organisation liegt, wird sich auf die Dauer den allgemeinen Grundsätzen nicht entziehen, wird seine Politik ohne organisiertes Volk nicht führen können. B. Kritik und Auibau* Von Ernst Brandt und Kurt Samolewitz L Seit Herzl's Tod ist die Macht des Präsidenten der Zionistischen Organisation (Z. O.) und die Autorität ihrer Leitung ständig gesunken. Sie erstreckt sich heute nur noch auf die Gestaltung unserer Politik in Jerusalem und London, die sie, gemeinsam mit den nichtzionistischen Mitgliedern der Jewish agency, bestimmt. Aber selbst auf diesen Gebieten können ihr „zionistisch organisierte Gruppen" entgegenarbeiten, ohne daQ die Exekutive dies auf organisatorischem Wege verhindern kann. Die geschwächte Autorität der zionistischen Leitung würde die Schaffung einer organisatorischen Einheitlichkeit doppelt notwendig machen. Deshalb hat sich das tatsächliche Nebeneinanderbestehen der agency in ihrer heutigen ^orm und der ganz anders gegliederten Z.O. als ein organisatorischer Mißstand herausgestellt Man wußte sehr oft, innerhalb des Administrative comitee -icht, wer eigentlich über wichtige Fragen zu bestimmen habe. Die Zentralisierung alier zionistischen Arbeitsgebiete erfolgt aber auch ":cht auf der nächsttieferen Organisationsstufe, im zionistischen Landesverband. Ote eigentlichen innerzionistischen Arbeitsgebiete — ganz zu schweigen von den*. ' gemein jüdischen — sind nicht nur dem Einfluß der Exekutive, sondern •':ch dem der Landesverbände zu einem sehr großen Teil entzogen. Sie untergehen heute nur zu einem kleinen Teil den Landesverbänden, meist einem :nz unübersichtlichen, jeweils verschiedenem Gewirr von Sonder verbänden, Msgruppen, Vereinen, Jugendbünden, Landes-, Gemeinde- und Kongreßpar- " ''-n, ohne daß Exekutive oder Landesverband bestimmend eingreifen können. Es fehlt der Z.O. bis in die Ortsgruppe hinab jede vertikale Organisation. p'r Präsident der Z.O. kann seinen Willen gegenüber den Vorsitzenden der ^desverbände, der Sonderverbände, der zionistischen interterritorialen Yer- (Wizo) auf organisatorischem Wege nicht durchsetzen, die Vorsitzenden ^r Landesverbände nicht gegenüber den Ortsgruppen, diese wieder nicht ' ^^nüber dem einzelnen Zionisten, der in Sonderbünden, Jugendbünden, Verv nca oder Parteien organisiert ist. Dieser Mangel einer vertikalen Organi- 207