Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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sation erschwert in hohem Maße jede einheitliche Aktion, nimmt der Bewegung die notwendige Schlagkraft. Vor allem aber verhindert er die in allen guten Organisationen durchgeführte Unterscheidung zwischen Anhängern und Mitgliedern. Die Sonderverbände etc. denken in erster Linie an ihre eigenen Tendenzen und ihren eigenen Bestand, dann erst an die Gesamtorganisation und bewirken in der Regel automatisch, daß ihre Mitglieder nicht zu mitarbeitenden Mitgliedern der zionistischen Ortsgruppen, Landesverbände, ja jetzt sogar in einem Falle nicht einmal der Weltorganisation werden. Haben sie aber so die Tendenz gezeigt, der Organisation die Kräfte zu entziehen, so bat deren Aufbau diese Tendenz unterstützt. Die zionistische Ortsgruppe, die mit der Weltorganisation und dem Landesverband nicht fest verbunden ist, die nur auf wenigen Gebieten, wie K.K.L., K.H., Schekelarbeit, wirkliche Anweisungen von oben erhält, hat nie die Organisationskraft besessen, ihre besten Mitglieder an die Fronten zu stellen, die wirklich das zionistische Kampffeld ausmachen. So bietet die Z.O.G. (Ortsgruppe) in Wahrheit nur Rednern und Sammlern Wirkungsmöglichkeiten. Nur diese, also längst nicht alle, die arbeiten wollen und können, und nur einige ganz wenige, die K.H. und K.K.L.-Arbeit leisten und die die Referate in Ortsgruppe, im Landesverband und auf dem Kongreß halten, sind Mitarbeiter. Selbst sie jedoch werden nur in einem sehr beschränkten Teilgebiet ihres Lebens erfaßt. Die Mehrheit der Zionisten wird so gebildet aus sogenannten Mitgliedern, die jedoch zum größten Teile, inaktiv sind. Aus dem Fehlen adäquater Arbeitsgebiete für. Zionisten ergeben sich Schwierigkeiten in der Bildung einer Eliteschicht im Zionismus, vor allem aber ist die Folge das Fehlen der Verantwortlichkeit des einzelnen für seine Ortsgruppe und letztlich für den Zionismus, ein sehr schwerer Mangel, der die Bindung neuer wie alter Menschen an uns so sehr erschwert. Keine Unterscheidung von Mitgliedern und Anhängern, keine Wirkungsmöglichkeiten für unsere Menschen und noch nicht einmal genug Sammler, um unsere viel zu hoben Sammelspesen durch stärkere Heranziehung verantwortlicher Helfer ganz stark herabzusetzen, in dieser Zeit eine ganz kleine Propaganda und entsprechende Propagandaerfolge, eine sehr kleiae, finanzschwache Organisation, das alles sind wesentlich mit die Folgen der organisatorischen Destruktion, in der sich heute die zionistische Bewegung befindet. In dieser Organisation ist es bis heute nicht gelungen, dem einzelnen Juden ein Gefühl der Geborgenheit in seiner Organisation zu geben. Die wesentlichen Lebensbeziehungen des Zionisten sind außerhalb des zionistischen Wirkungskreise« geblieben. Seine politischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse bleiben von der Z.O., die nur in Palästina zu arbeiten scheint, im wesentlichen unberührt. 2u Bestrebungen, von den Juden nicht nur Geld \md Leistungen zu verlangen, uß Hinblick auf das künftige Palästina, sondern ihnen auch jetzt und hier reai* Vorteile zu geben, sind z. B. in Deutschland erst Ansätze vorhanden, die noo kaum organisiert sind. So vermag die Z.O. den Juden nicht einmal das Gefüh» zu geben, daß sie es ist, die sich um ihre ernstesten Sorgen in dieser Zel{ kümmert, während gleichzeitig der politisch und ideologisch völlig zusammcO' gebrochene C.V. durch überfüllte Versammlungen und viele neugegründeU Jugendgruppen zeigt, daß seine Propaganda Erfolg hat, weil er den Juden ou letzte Stütze, der letzte Strohhalm in dieser Zeit scheint. 208