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Der jüdische Student · 1932-09-01 · Heft 8 (September 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 8 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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in Deutschland warnt vor einer derartigen Ueberspitzung der Zentralgewalt. Um die einheitliche Durchführung aller Direktiven in der Landesarbeit zu gewährleisten, hat die Komintern zweckmäßigerweise Musterstatute aufgestellt, <iie von allen Landessektionen übernommen werden. Außer den Exekutiv-Mitgliedern gibt es zu ihrer Ergänzung meist Verbindungsleute zu den einzelnen Ländern, Sie kontrollieren die dort zu leistende Arbeit und erstatten monatlichen Bericht. Kontroll-Organe, die aucb bei der katholischen Kirche und bei Mussolini wiederkehren, sind bei großen Organisationen, die sich über verschiedene Länder erstrecken, unvermeidbar. Von einer starken Spitze führt in allen guten Organisationen eine vertikale Stufenleiter der Abhängigkeit über die Landesverbände in die einzelnen Ortsgruppen. Die oberste Stelle kann unter Ueberspringung aller unteren in jede Instanz, in jeden Zweig eingreifen. (Universalepiskopat). Im Faschismus werden die Vorstände der einzelnen Verbände vom Duce ernannt, ebenso die Würdenträger der katholischen Kirche vom Papst. In den Komintern werden die einzelnen Unterführer zwar parlamentarisch gewählt, sind aber nach oben verantwortlich und von dort absetzbar. Soll eine Organisation, der man sich freiwillig unterordnet, einen wesentlichen Teil der Freiheit ihrer Mitglieder den Anordnungen einer übergeordneten Instanz restlos unterwerfen, so muß sie diesen auch entsprechende Rechte einräumen. Organisation heißt einheitlich zusammengefaßte Willensverbindung von Menschen zur Verwirklichung bestimmter Zwecke durch Anwendung der adäquaten Mittel. Zu diesen Mattein gehört notwendig auch eine Organisationsfreudigkeit, die die Mitglieder der Sache treu erhält. Die wenigsten arbeiten in einer Organisation aus „reinem" Idealismus. Eine Organisation ist gut und erfolgreich, wenn sie es versteht, die verschiedenen persönlichen Interessen des einzelnen mit denen der Organisation zu verknüpfen. Hohe Anforderungen ohne Gegenleistungen kann man nur an sehr wenige Menschen stellen. So hat z. B. die katholische Kirche es sich in neuerer Zeit immer mehr angelegen sein lassen, in alle Lebensbezirke ihrer Gläubigen einzugreifen. Sie schuf Gesellenvereine, Wohlfahrtsanstalten, Volkshochschulen, sie befaßt sich mit allen Gegenwartsfragen, nimmt zu allen Problemen Stellung, die auf ihre Gläubigen von irgendeiner Seite einstürmen könnten. Neben den Grundprinzipien Autorität, Elite, Totalität, hat die Praxis der Organisationen einen Gedanken entwickelt, der in seiner Wirkung nicht unterschätzt werden darf. Gewisse äußere Imponderabilien, die das Gefühl der Zu-, sammengehörigkeit, der Einheit, der Heiligkeit der Idee, der die Bewegung dient, jedem einzelnen symbolhaft immer wieder vor Augen führen, werden stark beachtet. Hierher gehört die Wirkung von gut inszenierten Massenversammlungen, Yon Uniformen. Mussolini erklärte einmal, er könne vieles von den Einrichtungen des Faschismus aufgeben, die Schwarzhemden könne er nicht mehr aufgeben. Dieses Gefühl des Zusammengehörens wird schon symbolisch dargetan in dem Moment, in dem das Mitglied sich zum ersten Mal in die Organisation einreiht. Feierliche Aufnahmeform, feierliche Kongresse und Zusammenkünfte sind hier von großer Bedeutung. So haben auch absolut diktatorisch geleitete Organisationen wie der Faschismus und die katholisch«: Kirche ihre Parlamentstagungen nicht aufgehoben. Zwar haben diese Paria' mente fast keinen bestimmenden Einfluß auf die Geschicke der Organisation- 206

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