Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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kann ich nur erwidern, daß ein solcher kleiner Zionismus aufs schärfste abzulehnen ist. Zionismus ist eine Bewegung zur ideellen und materiellen Lösung der Judenfrage. Wir alle sind der Ueberzeugung, daß dies nur durch Schaffung einer nationalen Heimstätte restlos geschehen kann. Da-dies aber ein zumindest jahrzehntelanges Wirken voraussetzt, müssen wir uns auch hier b der Galuth mit allen Kräften bemühen, die ideelle und materielle Judennot zu bekämpfen. Wir müssen das zusammenbrechende Haus der Galuth zu stützen versuchen, damit wir überhaupt letztlich die Juden nach Palästina bekommen. Das ist der Standpunkt einer relativen Galuthbejahung. Der Zionismus ist weit mehr, als nur eine Bewegung zur Kolonisation Palästinas. Er umfaßt tatsächlich alle Lebensgebiete des jüdischen Volkes, und ist durchaus fähig, mit seinem Inhalt eine totale Organisation zu erfüllen!. Nach diesen Gesichtspunkten — zur totalen Organisation hin — scheint uns eine Neuorganisierung des Zionismus notwendig. Diese Anschauungen sind die Grundlagen unserer Arbeiten gewesen, die sich mit der Neuorganisierung des Zionismus beschäftigten. Da wir aber nicht einmal eine zufriedenstellende partielle zionistische Organisation haben, kam es nicht nur darauf an, den Weg von partieller zu totaler Organisation zu zeigen, sondern darüber hinaus im wesentlichen das Bild einer guten zionistischen Organisation überhaupt zu geben. Begonnen wurden die Vorarbeiten über Organisation im Anschluß an den unter Leitung von Heinz Wydra stehenden Fuxenkurs der V.I.St. Avukah im letzten Winter. Sie wurden unter seiner Leitung fortgesetzt und die hier folgenden Artikel wurden nach gemeinsamer Durchsprechung von den einzelnen Mitarbeitern angefertigt. Die Vorarbeiten waren folgende: Ernst Brandt und Kurt Samolewitz: Die zionistische Organisation. Julius Kollenscher: Der Faschismus. Lsi Piekarski: Die dritte Internationale. Emanuel Weiner: Die NSDAP. Martin Wollner: Die katholische Kirche. A. Vergleichendes: Die Organisationen der Umwelt. Von Julius Kollenscher Organisation ist einheitlich zusammengefaßte Willensverbindung von Menschen zur Verwirklichung bestimmter Zwecke. Einheitliche Willensverbindung von Menschen! -Nun ist es eine Erfahrung, daß für die Organisation keineswegs alle Menschen, die hinter ihr stehen, als einheitlich in Rechnung gestellt werden dürfen. Es gibt in jeder Bewegung Menschen, die der Organisation mit allen Kräften dienen und sie vorwärts bringen, und solche, die nur sympathisierend dahinter stehen. Die Organisation als Machtinstrument kann auch auf die Lauen nicht verzichten. Es ist aber wichtig, daß man diese beiden Gruppen, als „Mitglieder" und „Anhänger" unterscheidet und sie verschieden behandelt. ..Mitglied ist, wer für die Bewegung kämpft, Anhänger, wer mit ihr einverstanden ist". (Hitler). Eine relativ kleine, aber zuverlässige Mitgliederschar ist notwendig, um eine Organisation stark und schlagkräftig zu machen. Die Lauen und Trägen haben keinen Platz in der Organisation. Sie gilt es ledig' lieh durch die Propaganda mitzureißen. 204