Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 29 (1932)
- Issue
- Heft 8 (September 1932)
- Date
- 1932-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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4 o-js, ohne das Ganze zu übersehen, oft o£me"den Sinn seiner Tätigkeit dabei ip. Rennen. Mit seiner besten Arbeitskraft, mit seiner wesentlichen Tätigkeit * i<t der einzelne in Organisationen eingespannt; man gewöhnt ihm das Selbstdenken ab. wie soll er sich in der Kompliziertheit der wirtschaftlichen und dersinfolge » auch der politischen Vorgänge zurecht finden? Auch hier sieht er völlige Verwirrung. Auch hier sucht er sich yor der Verwirrung der Zeit ia Jie Organisation zu retten, heute besonders auch, da er seine Ohnmacht als einzelner erkennen muß gegenüber den schon bestehenden und sein Schicksal , beeinflussenden Organisationen. Die Entwicklung ist über das Stadium des Liberalismus herausgegangen. Toricht ist es jedoch, zu glauben, daß es nun genau so werden wird, wie es vor dem Liberalismus war. Eine Epoche menschlicher Entwicklung läßt sich nicht auslöschen. An die Stelle der vorliberalen Bindung in Kirche. Staat und Zunft beginnt eine neue Bindung zu treten, in der der Organisation die entscheidende Rolle zukommt. Aber diese Organisation wird besonders geartet sein. Sie wird nicht eine nur partielle, — nicht nur wirtschaftlich, nur weltanschaulich, nur politisch sein, — sondern sie wird eine totale sein. Die totale Organisation entspricht am besten dem Streben des heutigen Menschen nach Eindeutigkeit, Klarheit und Geborgenheit. Kommunismus und Faschismus beweisen das. Der einzelne wird sowohl wirtschaftlich, als auch politisch, als auch weltanschaulich gebunden. Der Weg zum totalen Staat geht über die totale Organisation. Uebernimmt die totale Organisation den Staat, so wird der Staat ein totaler.-- Man könnte hier einwenden, daß den Juden1 als typischen Individualisten straffe Organisation überhaupt und eine totale ganz besonders nichti adäquat sei. Hier gilt es, einen geschichtlichen Irrtum aufzuzeigen. Die Juden erscheinen zwar im letzten Jahrhundert als die typischen Individualisten, weil *:c noch mehr Bindungen lösten, als die übrigen Menschen, indem sie auch die Bindung durch die Nation aufzuheben versuchten. In Wirklichkeit haben, sie durch die mehrtausendjährige Bindung, die ihnen durch die Religion vermittelt wurde, wo sie ihr Leben bis in die allerpersönlichsten Dinge hinein durch kollektive Normen bestimmen ließen, gezeigt, daß im Gegenteil in ganz besonderem Maße kollektive Normen ihnen adäquat sind. In den Zeiten, in denen ihre Umgebung streng gebunden war, wie im Mittelalter, waren die Juden, das kann man wohl ohne Uebertreibung sagen, noch bedeutend fester k^bunden und in ihren ganzen Lebensbezichungen in einem sie total erfassenden Judentum geborgen. Ich bin nicht der Ueberzeugung der materialistischen Geschichtsauffassung, daß nur wirtschaftliche Dinge die Geschichte bestimmen. Die ganze Vielfalt dts Lebens ist in Wirklichkeit bestimmend. Das Streben nach Organisation ':f£t in weit mehr, als nur in wirtschaftlichen Entwicklungen begründet. Es ,!tgt in der gesaratmenschlichen Entwicklung der Zeit begründet. Solchen (poc-halen Einwirkungen unterliegen Juden sowohl wie Nichtjuden. Die per- "nliche Verschiedenheit ist nicht so groß, als daß der Wille zur totalen Or- Unisation bei den Juden schwächer sein sollte. Man wird nun vielleicht sagen, der Zionismus eine Bewegung, einen deinen) Teil des jüdischen Volkes in Palästina anzusiedeln. Wieso sollte er Une solche, alle Lebensgebiete umfassende Organisation bilden können? Hier 203