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Der jüdische Student · 1932-09-01 · Heft 8 (September 1932) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
29 (1932)
Issue
Heft 8 (September 1932)
Date
1932-09-01
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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Jedoch auf einen wesentlichen Mangel, der hei uns-meist übersehen wordeg ist, soll hier hingewesen v/erden. I?s sind gewisse grundlegende Fehler Aufbau unserer Organisation vorhanden, die immer wieder die meisten unserer Kräfte sich leerlaufen lassen, darüber hinaus entspricht unsere Form der Organisation nicht mehr den Bedürfnissen unserer Zeit. Man hat im Zionismus leider (im Gegensatz zu Herz!) Organisation als etwas Nebensächliches behandelt. Den Hauptwert legt man darauf, Begeisterung hervorzurufen, unsere Führer sehen es als ihre Hauptaufgabe bei Kongressen und Tagungen an, schwungvolle Reden zu -halten, die ihnen Applaus eintragen. Eine technische Sache, wie Organisation, gehört zu den weniger geachteten Gebieten. Ein loses und wirres Gebilde, wie es die zionistische Organisation heute ist, ist zur Not möglich in einer Zeit, in der der einzelne gern selbständig ist und es nicht liebt, sich durch Organisation zu binden. Im einer Zeit, wo individuelle Freiheit und Ungebundenheit höchste Ideale 'des einzelnen waren, konnte man mit einer guten Rede und einem erbaulichen Zeitungsartikel Menschen zu großer Aktivität für eine Bewegung anregen. Jedoch diese Zeit ist heute vorbei. Heute sind es wesentlich festgefügte Organisationen, mit denen Geschichte gemacht wird. Allerdings gerade sie bedürfen der Führung. Doch der Führer muß sich die Organisation schaffen, wenn er sich durchsetzen wilL Mussolini schuf sich die Organisation, dann erst war er erfolgreich. Trotzki konnte sich gegenüber Stalin nicht durchsetzen,-denn dieser hielt die Organisation in der Hand. Es ist für das politische Denken grundlegend wichtig, die Bedeutung der Organisation in unserer Zeit zu erkennen. Es handelt sieb hierbei nicht um eine zufällige und nur auf das Politische beschränkte Entwicklung. . Die führende Schicht des 19. Jahrhunderts war nicht nur auf politischem Gebiet Organisationen abgeneigt. Der Mensch war (außer dem Arbeiter und anderen damals nicht maßgebenden Schichten) vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet selbständig, parallel dazu ging das Bestreben nach Selbständigkeit auf allen Gebieten des Lebens, vor allem nach Unabhängigkeit in Fragen der Politik und Weltanschauung. Aus wesentlichen, ihn früher beherrschenden Bindungen hatte er sich frei gemacht, sowohl wirtschaftlich (Zunftwesen etc.), als auch politisch (Stände und Absolutismus), als auch weltanschaulich (Religion). Heute erkennen wir, daß der durchschnittliche Mensch dieser Freiheit nicht, oder zum mindesten nicht mehr gewachsen ist. Auf weltanschaulichem Gebiete zeigte sich dieses zuerst. Man nahm des einzelnen die Eindeutigkeit der Religion, in deren Schöße er früher selig £e' borgen war. Eine Vielfalt philosophischer Systeme, die sich gegenseitig wider sprachen und die er nicht verstand, besonders, weil keine Philosophie ah* Zweifel beseitigen kann, stürzte auf ihn ein. Vor dieser Verwirrung suchte sie" der einzelne zu retten und warf sich wirren Sekten in die Arme, die scinc: Verstand nicht in Anspruch nahmen, in deren Schoß er sich jedoch geborgt fühlte. Auch die völlig freie Wirtschaft konnte sich nur in einem kurzen Uebcf' gangsstadium halten, um dann neuen Bindungen zu weichen. Wirtschaftlich Selbständigkeit, ist heute eine Ausnahmeerscheinung, Der einzelne sitzt. heu'* im Warenhaus, in der Fabrik, in Bank oder Konzern, in Genossenschaft Konsumverein etc., etc., führt Weisungen aus, übt nur partielle Tätigkeit' 202

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